Ein Fluss
wollte durch die Wüste zum Meer. Aber als er den unermesslichen Sand sah, wurde
ihm Angst, und er klagte: „Die Wüste wird mich austrocknen, und der heiße Atem
der Sonne wird mich vernichten."
Da - plötzlich
- hörte er eine Stimme, die sagte: „Vertraue dich der Wüste an."
Aber der Fluss
entgegnete: „Bin ich dann noch ich selber? Verliere ich nicht meine Identität?"
Die Stimme
aber antwortete: „Auf keinen Fall kannst du bleiben, was du bist."
So vertraute
sich der Fluss der Wüste an. Wolken sogen ihn auf und trugen ihn über die
heißen Sandflächen. Als Regen wurde er am anderen Ende der Wüste wieder
abgesetzt. Und aus den Wolken strömte ein Fluss, schöner und frischer als
zuvor.
Da freute sich
der Fluss und sagte: „Jetzt bin ich wirklich ich."
gefunden in den unendlich vielen
tiefgründigen Weisheiten des Orients & Okzidents von
Sonja
Luckeneder
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 30. September 2009 )