Einmal
zur Mittagszeit wurde es still am Waldrand. Alles ruhte. Da streckte plötzlich
der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: „Was ist eigentlich das Leben?"
Alle
waren über diese Frage betroffen: Die Heckenrose enttfaltete ihre Knospe und
sprach: „Das Leben ist Entwicklung."
Der
Schmetterling flog von Blume zu Blume und naschte da und dort: „Das Leben ist
lauter Freude und Sonnenschein."
Die
Ameise schleppte einen großen Strohhalm und bemerkte: „Das Leben ist nichts
anderes als Mühsal und Arbeit."
Der
Maulwurf hob den Kopf aus der Erde und brummte: „Das Leben ist ein Kampf im
Dunkeln."
Hoch
oben zog der Adler seine Kreise und frohlockte: „Das Leben ist nur ein Streben
nach oben."
Mit
der Nacht kam auch der Uhu und krächzte in die Stille: „Das Leben heißt die
Gelegenheit nutzen, wenn andere schlafen."
Es
wurde still am Waldesrand. Später kam ein junger Mann, müde vom Tanzen und
Trinken: „Das Leben ist ein ständiges Suchen nach Glück und eine lange Kette
von Enttäuschungen, wie heute Abend." Dann schlief er ein.
Bald
aber erwachte die Morgenröte in ihrer Pracht und strahlte: „Das Leben ist
stetes Beginnen und Anbruch der Ewigkeit."
gefunden in den unendlich vielen
tiefgründigen Weisheiten des Orients & Okzidents von
Sonja
Luckeneder
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 23. September 2009 )