Eine kleine Zen-Geschichte - Bewusstsein und Erleuchtung
Ein Zen-Meister war gerade
dabei, Wasser vom Brunnen zu holen, und ein Anhänger, der von ihm gehört hatte
und weit gereist war, um ihn zu sehen, fragte ihn: „Wo kann ich so-und-so
antreffen, den Meister dieses Klosters?" Er dachte, dieser Mann sei ein Diener,
da er Wasser vom Brunnen holte - man trifft keinen Buddha, der Wasser vom
Brunnen holt, man trifft keinen Buddha, der den Boden putzt.
Der Meister lachte und
sagte: „Ich bin derjenige, den du suchst."
Der Anhänger konnte es
nicht glauben. „Ich habe viel von dir gehört, doch ich kann mir nicht
vorstellen, dass du Wasser vom Brunnen holst."
Der Meister sagte: „Aber
das ist es, was ich zu tun pflegte, bevor ich erleuchtet wurde. Wasser vom
Brunnen zu holen und Holz zu hacken - das habe ich vorher gemacht, und das
mache ich auch jetzt immer noch. Ich bin in diesen Dingen sehr geübt: Wasser
vom Brunnen holen und Holz hacken. Komm mit - als Nächstes werde ich Holz
hacken, schau mir zu.!"
„Aber was ist denn dann
der Unterschied? Vor der Erleuchtung hast du diese beiden Dinge getan, und nach
der Erleuchtung machst du immer noch dieselben beiden Dinge - was ist der
Unterschied?"
Der Meister lachte: „Der
Unterschied ist innerlich. Vorher tat ich alles im Schlaf; jetzt tue ich alles
bewusst, das ist der Unterschied. Die Aktivitäten sind dieselben, doch ich bin
nicht mehr derselbe. Die Welt ist dieselbe, doch ich bin nicht mehr derselbe.
Und weil ich nicht mehr derselbe bin, ist die Welt für mich auch nicht mehr
dieselbe."
gefunden in den unendlich vielen tiefgründigen Weisheiten des Orients & Okzidents von
Sonja Luckeneder
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