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Ärzte ohne Grenzen

 

Helfer und Sprachrohr für die "vergessenen" Völker dieser Welt



Krieg in Afghanistan, Hunger in Angola, Erdbeben im Iran, AIDS in Afrika. Die Welt wird von Schreckensnachrichten dieser Art überflutet und dennoch - oder gerade deswegen - geraten diese Meldungen gleich wieder in Vergessenheit. Selten macht man sich bewusst, dass hinter einer nüchtern-mathematischen Zahl von einigen Tausend Toten reale Menschen stecken, Menschen wie du und ich, Menschen mit Eltern, Ehepartnern und nun verwaisten Kindern. Menschen mit Träumen, Hoffnungen und Zielen.

Betroffen sind meist arme Länder, deren Bevölkerung es oft an den nötigen Voraussetzungen fehlt, um mit diesen Katastrophen fertig zu werden.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat es sich seit Jahren zum Ziel gemacht, Helfer und Sprachrohr für die vergessenen Menschen und Völker dieser Welt zu sein, um auf diese Weise zur Linderung von Leid und Elend beizutragen.

 

Wer sind die Ärzte ohne Grenzen?

In Flüchtlingslagern nennt man sie oft die "French doctors", obwohl die freiwilligen Helfer der "Medecins sans Frontières" aus den verschiedensten Ländern der Welt kommen. In seiner 33-jährigen Geschichte hat sich dieses medizinische Hilfswerk international als eine der bedeutendsten NGOs (regierungsunabhängigen Organisationen) etabliert.

Am Beginn des Weges stand die Initiative einer Gruppe französischer Ärzte. Frustriert von der Tragödie des Biafra-Krieges im Jahr 1971, bei dem sie unter den Fahnen des IKRK (Rotes Kreuz) im Einsatz waren, brachen sie die bei den meisten humanitären Organisationen verordnete Schweigepflicht über die Zustände im Einsatzgebiet. Sie wollten ihre Landsleute in der westlichen Wohlstandsgesellschaft aufrütteln, die die Augen vor dem Völkermord in Biafra und den darauf folgenden Tragödien verschlossen.

Genau dieser Mut, Sprachrohr für die Misshandelten und Unterdrückten zu sein, ist einer der Leitgedanken der Ärzte ohne Grenzen und wurde bei der Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 1999 besonders gewürdigt. James Orbinski, Präsident des internationalen Rates von Ärzte ohne Grenzen, meinte dazu bei seiner Nobelpreisrede: "Lange genug wurde Schweigen mit Neutralität verwechselt und als notwendige Voraussetzung für humanitäre Hilfe postuliert. ... Wir glauben nicht, dass Worte immer Leben retten können, aber wir wissen, dass Schweigen mit Sicherheit tötet."

 

Was macht Ärzte ohne Grenzen?

Die Hilfe kommt allen Menschen in akuter Not zugute, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer politischen oder religiösen Überzeugung. In Kriegsgebieten und bei Naturkatastrophen stehen oft chirurgische Versorgung von Verwundeten und Verletzten und deren Nachversorgung im Vordergrund. Gleichzeitig bringt Ärzte ohne Grenzen dringend benötigte Medikamente und medizinisches Material in die jeweiligen Gebiete, um die medizinische Grundversorgung zu gewährleisten. Wo notwendig, stellen die freiwilligen Helfer auch die Funktionsfähigkeit zerstörter Krankenhäuser wieder her.

In Gebieten von Hungersnöten baut Ärzte ohne Grenzen Ernährungszentren auf, in denen unterernährte Kinder spezielle Nahrung und medizinische Betreuung erhalten.

Da in Kriegs- und Krisengebieten viele Menschen auch unter Kriegstraumata leiden, werden dort auch psychosoziale Projekte durchgeführt.

Immer erstreckt sich die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen aber auch auf die Einschulung einheimischer Mitarbeiter. Auch mit dem Ziel, sie für die selbständige Weiterarbeit nach Beendigung eines Projektes auszubilden.

Auf diese Art und Weise werden jährlich rund 200 Projekte in mehr als 80 Ländern der Welt von Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen betreut.

Finanziert wird das Hilfswerk größtenteils von privaten Spendern, vor allem um die politische Unabhängigkeit zu gewährleisten. Zumindest 80% der Spenden fließen dabei direkt in die humanitäre Arbeit vor Ort in den betroffenen Ländern.

 

Wer kann mitarbeiten?

Angehörige nahezu aller ärztlichen Heilberufe, Schwestern, Hebammen, Pfleger und Techniker, etwa 15 000 Helfer sind im Einsatz für Ärzte ohne Grenzen. Die meisten davon nationale Mitarbeiter aus dem jeweiligen Einsatzland. Voraussetzung sind neben Idealismus, Achtung der Menschenwürde und Respekt vor anderen Kulturen eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, ferner gute englische und/oder französische, spanische, portugiesische Sprachkenntnisse, möglichst Arbeitserfahrungen in einem Entwicklungsland sowie tropenmedizinische Kenntnisse für Ärzte und Pflegekräfte. Die in der Regel sechs- bis zwölfmonatigen Einsätze erfordern dabei auch ein hohes Maß an Teamgeist, Eigeninitiative und nicht zuletzt eine gesunde Portion gesunder Menschenverstand.

 

Finde deinen Mut und halte ihn lebendig!


Zum Abschluss eine jener zutiefst menschlichen Begebenheiten, die Helfer im Einsatz erleben. James Orbinski erwähnte das Ereignis, das sich im Zuge seines Hilfseinsatzes während des Völkermordes in Ruanda zutrug, in seiner Nobelpreisrede. Es geschah an einem Tag, wo ... Hunderte Frauen, Kinder und Männer zum Krankenhaus gebracht wurden, so viele, dass wir sie teilweise auf die Straße legen mussten. Und häufig operierten wir sie gleich dort, so dass das Wasser im Rinnstein um das Krankenhaus herum buchstäblich rot vor Blut war. Sie war eine unter vielen, die unmenschliches und unbeschreibliches Leid erdulden musste. Ihre Ohren waren abgeschnitten worden. Und ihr Gesicht war so sorgfältig entstellt worden, dass sich in den Schnitten ein Muster erkennen ließ. Wir konnten in dem Moment nicht viel mehr für sie tun, als mit wenigen Stichen ihre Blutung zu stillen. Wir waren völlig überwältigt und sie wusste, dass sie eine von vielen war. Sie wusste es und ich wusste es. Sie befreite mich aus meiner eigenen unentrinnbaren Hölle. Mit der klarsten Stimme, die ich je gehört habe, sagte sie zu mir:

"Allez, allez ... ummera, ummera-sha" - "Auf, auf ... mein Freund, finde deinen Mut und halte ihn lebendig".


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Für Engagierte: Auf der Internetsite von Ärzte ohne Grenzen erfahren Sie Termine von Informationsveranstaltungen in Ihrer Nähe.


Quellen:

  • www.aerzte-ohne-grenzen.de

  • www.aerzte-ohne-grenzen.at

  • www.m-ww.de

  • www.urbanfischer.de


Autor: Heribert Holzinger

 

(aus: Zeitschrift Abenteuer Philosophie Nr. 97)

 

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 17. Februar 2009 )
 
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