Bhagavad Gita (H. Hesse) PDF Drucken E-Mail
 

Bhagavad Gita

 

Wieder lag ich schlaflos Stund um Stund,

unbegriffenen Leids die Seele voll und wund.

 

Brand und Tod sah ich auf Erden lodern,

Tausende unschuldig leiden, sterben, modern.

 

Und ich schwor dem Kriege ab im Herzen

Als dem blinden Gott sinnloser Schmerzen.

 

Sieh, da klang mir in der Stunde trüber

Einsamkeit Erinnerung herüber,

 

und es sprach zu mir den Friedensspruch

ein uraltes indisches Götterbuch:

 

„Krieg und Friede, beide gelten gleich,

denn kein Tod berührt des Geistes Reich.

 

Ob des Friedens Schale steigt, ob fällt,

ungemindert bleibt das Weh der Welt.

 

Darum kämpfe du und lieg nicht stille;

Dass du Kräfte regst, ist Gottes Wille!

 

Doch ob dein Kampf zu tausend Siegen führt,

das Herz der Welt schlägt weiter unberührt."

 

Hermann Hesse

(September 1914)

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 7. Mai 2008 )
 
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