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Die soziale und ökologische Verantwortung des Konsumenten

 

Die Macht des Konsumenten ist groß, Konsumentenboykotts haben selbst supranationale Konzerne zum Einlenken gezwungen. Den Anfang machte die Kampagne „Nestle kills babies“, als der Konzern mit aggressiver Werbung für Milchpulver und Flaschenmilch Frauen in den Entwicklungsländern von dem viel zuverlässigeren und gesundheitlich zuträglicheren Stillen abgebracht hat.


Gestärkt wird diese Macht der Konsumenten von den Nichtregierungs-Organisationen. Diese demokratische Gegenmacht der Zivilgesellschaft, freiwillig organisiert und weltweit vernetzt, ist zum Träger eines internationalen Gewissens und auch zum Wächter gegenüber lokal verübten Unrechts geworden, z.B. Umweltschutzverbände, wie Naturschutzring, Naturschutzbund, WWF, Greenpeace, Global 2000, usw., aber auch Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, Kirchen, Wissenschaftsverbände (Club of Rome) usw. Ihre Rolle besteht nicht darin, dass sie in die Politikberatung einbezogen werden, sondern darin, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, an der sich die Politik und die Marketingstrategien der Firmen orientieren müssen. Der Greenpeace-Protest gegen die Versenkung der Ölplattform Brent Spar hat Millionen Autofahrer zu Greenpeace-Unterstützern gemacht und den Shell-Konzern zum Einlenken veranlasst. Der Protest war, wenn auch nicht ökologisch, so doch politisch, ein Meilenstein für die internationale Zivilgesellschaft.

Es liegt also durchaus in der Hand der verantwortungsvollen Konsumenten, durch ihr ökologisches und sozialbewusstes Einkaufsverhalten z.B. wesentlich zu einer Ernährungs- und Agrarwende beizutragen. „Die Zukunftssicherung der Landwirtschaft durch ihre Ökologisierung ist der Kulturauftrag unserer Generation“, war der Schluss-Satz in der Folge zwei der Öko-Rubrik, des weiteren wurde auch die Notwendigkeit aufgezeigt, diesem Kulturauftrag durch den Kauf von Bio-Produkten gerecht zu werden.

Öko-Schmäh und Bio-Schwindel schaffen Verunsicherung


Gesetzliche Regeln und Labels bieten eine gewisse Hilfe. Ein paar Dinge sollte man dennoch zusätzlich beachten.

Die biologische Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung ist durch Gesetze geregelt – EU-Verordnung Nr.2092/91 –, die wichtigsten Bestimmungen wurden in der Folge zwei beschrieben. In Österreich halten sich viele ProduzentInnen zusätzlich zur EU-Verordnung an die

Bestimmungen des Österreichischen Lebensmittelbuches A 8 (ÖLK A 8), das in einigen Punkten strengere Vorgaben hat. „Biologisch“ wird von der EU synonym mit „ökologisch“ verwendet.

Nicht geregelt in der Verordnung sind weitere Aspekte, wie z.B. die regionale Herkunft (BIO-Erdbeeren im März aus Spanien sind auch nicht sinnvoll), die Verminderung der Transportwege oder die Vermeidung energieaufwendiger Verarbeitung und Lagerung. Manche Bio-Verbände berücksichtigen auch diese Aspekte und produzieren nach strengeren Richtlinien.


Umfassende Kontrolle

Betriebe, die biologische Produkte herstellen, werden regelmäßig kontrolliert. Diese Kontrolle kann von staatlichen sowie von privaten, staatlich anerkannten Kontrollstellen erfolgen. Die Kontrollstellen vergeben Codenummern, die sich auf den Verpackungen befinden. Wenn ein Betrieb auf biologische Landwirtschaft umsteigen will, gilt er mindestens zwei Jahre (bei mehrjährigen Kulturen drei Jahre) als Umstellungsbetrieb. Erst danach dürfen Produkte als ökologisch oder biologisch vermarktet werden.


Kennzeichnung

Jedes Produkt, das mit „biologisch“ und/oder „ökologisch“ gekennzeichnet wird, in welchem Zusammenhang auch immer, fällt in den Geltungsbereich der EU-Verordnung. Mindestens 95 Prozent der Zutaten biologischer Produkte müssen aus ökologischer Landwirtschaft sein – egal, ob sie im eigenen Land erzeugt oder importiert wurden. Auch für Importe gibt es genaue Kontrollvorschriften. Für die restlichen fünf Prozent existiert eine detaillierte Liste mit erlaubten Erzeugnissen, darunter etliche Gewürze, essbare Früchte, Nüsse und Samen, Algen, einige Fette und Öle, Rum und Gelatine.

Marken, die vor 1991 (in Deutschland) oder vor 1995 (in Österreich) eingetragen wurden, müssen nicht der EU-Richtlinie entsprechen und dürfen sich trotzdem als „ökologisch“oder „biologisch“ bezeichnen. Es muss allerdings ein Hinweis vorhanden sein, der klarmacht, dass diese Produkte nicht gemäß der EU-Verordnung hergestellt wurden. Diese Übergangsregelung wird noch einige Jahre gelten.

Es gibt etliche Firmen, die diese Regelung in Anspruch nehmen. Daher garantiert ein Markenname, der das Wort „Bio“ enthält, nicht wirklich, dass es sich um ein Bioprodukt handelt. Erst ein anerkanntes Bio-Gütezeichen oder eine Bio-Kontrollstellencodenummer gibt diese Sicherheit. Solche Bio-Kontrollstellencodes sind immer nach dem gleichen Schema aufgebaut (z. B. „AT-W-01-BIO“ und „DE-001-Öko-Kontrst“). Diese Zusätze BIO bzw. Öko-Kontrst bedeuten, dass die Einhaltung der EU-Kriterien geprüft wurde.


Strengere Regeln bei Bio-Verbänden


Nachstehend werden die wichtigsten Siegel, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz verwendet werden, vorgestellt.

Während etwa die EU-Verordnung kein Wort zum Thema Verpackungen verliert, hat der große deutsche Bioverband „Naturland“ folgendes Kriterium in seinen Richtlinien: „Bei der Verwendung von Verpackungen ist auf den sparsamen Umgang mit Rohstoffen und die Minimierung von Umweltbelastungen durch Herstellung, Benutzung und Entsorgung von Verpackungsmaterialien zu achten. (...) Müllvermeidung hat Vorrang vor Müllverwertung.“


Wie gesund ist Bio?

Es wäre ein Trugschluss anzunehmen, dass der Kauf biologisch erzeugter Lebensmittel automatisch eine gesunde Ernährung bedingt. Gesunde Ernährung beruht nicht nur auf der Qualität der einzelnen Lebensmittel, sondern auch auf der Zusammensetzung des täglichen Speiseplans. Am zweitwichtigsten ist die Menge der gegessenen Speisen und Getränke. Selbst eine optimale Mischung kann zu gesundheitlichen Problemen führen, wenn man zu viel isst – oder zu wenig. Wer konventionell erzeugte Lebensmittel zumindest teilweise durch biologische ersetzt, hat einen großen Pluspunkt gewonnen. Bio-Essen ist schadstoffärmer und oft von deutlich höherer Qualität als konventionelle Nahrung. Allerdings ist es natürlich möglich, biologische Rohstoffe genauso ungesund zu verarbeiten wie konventionelle: Ein Bio-Schnitzel, in reichlich Fett gebraten und mit fettigen Bio-Pommes garniert, trägt genauso zu Übergewicht, hohem Cholesterinspiegel und Völlegefühl bei. Bio-Lebensmittel können aber im Normalfall nicht nur ein Fortschritt für unsere eigene Gesundheit sein, sie tragen auch in erheblichem Maß zur Gesundheit unserer Umwelt bei. Und das wiederum wirkt, langfristig gesehen, positiv auf uns zurück. Intakte Ökosysteme sind im Endeffekt lebensnotwendig für uns. Die Landwirtschaft leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, dass unser Wasser sauber, die Böden fruchtbar sowie Flora und Fauna vielfältig und stabil bleiben. 

Autor: Werner Schmidt

(aus: Abenteuer Philosophie Heft Nr. 89

 
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