Magie und Magier
Magie wurde zu allen Zeiten mit außergewöhnlichen Phänomenen und Leistungen verbunden. Beruhen diese Überlieferungen auf Aberglauben? Sind unsere modernen Zweifel an der Magie gut begründbar? Der folgende Streifzug zeigt die Entwicklung der Magie von der Antike bis heute und bringt einige spektakuläre Berichte über Magier.
Im Laufe der Jahrtausende entwickelten sich sehr viele Definitionen für den Begriff Magie. Die wohl allgemeinste und auch älteste Definition, die auch das Idealbild darstellt, lautet: Magie ist die Anwendung von hohem Wissen. Giordano Bruno definiert den Magier in seinem Werk De magia: "Zuerst wurde der Magus als der Weise aufgefasst; von dieser Art waren die Anhänger des Hermes Trismegistos bei den Ägyptern, die Druiden bei den Galliern, die Gymnosophen (Yogi) bei den Indern, die Kabbalisten bei den Hebräern, die Magier bei den Persern, die Sophi bei den Griechen und die Sapientes bei den Römern."
Später hielt man einen Magier für jemanden, der Wunder tut. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Wissen über das Machbare so weit abgenommen hat, dass man viele Dinge nicht mehr für möglich hielt. So galt bald jemand, der unerklärliche Werke vollbrachte, als mit dem Teufel oder Dämonen im Bunde. Magie wurde zu etwas Übernatürlichem bzw. "Aberglaube" und dies führte dazu, dass man Menschen mit besonderem Wissen als Zauberer und Hexen bezeichnete und auf mannigfache Weise verfolgte.
Heute werden Begriffe wie Weisheit und Magie, auf das normale, heutige Leben bezogen, nicht mehr verwendet. Magie ist das Gebiet von Taschenspielern und Varietékünstlern. Auch die größte Illusion beruht auf Tricks und hat nichts Übernatürliches an sich.
Wissen wird nun allgemein von den Wissenschaften gehütet, die allerdings in unzählige Disziplinen zersplittert sind. Durch die atheistischen Grundlagen und das ausschließliche Augenmerk auf das, was man heute unter Materie versteht, ist das, was die Wissenschaft für möglich hält, so eng geworden, dass sie sich nicht in der Lage sieht, Phänomene, die die Parapsychologie eindeutig als existent festgestellt hat, sinnvoll in ihr Weltbild zu integrieren.
So werden heute die überlieferten Berichte über Magie und Magier weitgehend als Mythen, Aberglaube oder als einfach erklärbar abgetan. Aber urteilen Sie selbst bei diesem "magischen" Streifzug durch die verschiedenen Epochen der Geschichte.
Woher kommt der Begriff "Magie"?
Das Wort "Magie" kommt aus Mesopotamien und scheint auf den Namen des medischen Stammes der Magier zurückzugehen. Die Priester der persischen zoroastrischen Religion, die überwiegend diesem Stamm angehörten, hießen "Mags". Sie scheinen eine Erbkaste medischer Priester gewesen zu sein, vergleichbar etwa mit den Leviten und Brahmanen. Unter den Achämeniden waren sie die Priesterkaste schlechthin. Herodot berichtet, dass sie Träume deuteten und durch Opferung weißer Pferde prophezeiten.
In der Geschichts- und Sprachforschung gelten Magier als Gelehrte, als "Weise der heidnischen Völker" - Bourdaloue betrachtet z.B. die Heiligen Drei Könige als "Fürsten der Wissenschaft". Häufig werden die Worte Magie, Magus, Magier auch auf den indogermanischen Wortstamm mog, magh und megh zurückgeführt. Er bedeutet Können und Weisheit. Magie ist gleichzusetzen mit einer Gesamtwissenschaft, wenn man beispielsweise Wissenschaftsgebiete wie Physik, Chemie, Astronomie, Mathematik, Medizin, Philosophie und Psychologie vereinen würde.
Ägypten - Zentrum der Magie
Zu allen Zeiten war Ägypten ein Synonym für Magie, Geheimnis, Mysterien, höheres und höchstes Wissen. Auch heute ist das Rätsel Ägypten noch längst nicht enthüllt. Wie konnte eine Kultur so lange stabil gehalten werden? Wie konnte man ohne Straßen 500 Tonnen schwere Steine transportieren. Wie konnte man ohne Stahl Diorit, dessen Härte knapp unter jener des Diamanten liegt, perfekt bearbeiten? Wir staunen über die mathematische Perfektion der Pyramiden und finden kaum Hinweise auf eine mathematische Wissenschaft.
Schon die Griechen hielten das Land des Nils für höchst geheimnisvoll, denn der Name Ägypten stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie "geheimer Ort" oder "Ort der Mysterien". (Die Ägypter nannten ihr Land Kem, "das schwarze Land" oder "das verbrannte Land".) Ägypten galt als Zentrum des Wissens. Von beinahe allen Weisen und Philosophen Griechenlands gibt es Hinweise auf Ägyptenaufenthalte zu Studienzwecken.
Wenn man diesen Rätseln irgendwie näher kommen will, muss man sich mit der Institution der Mysterien auseinander setzen. Es scheint in Ägypten Ausbildungsinstitutionen gegeben zu haben, die ein durch höchste Geheimhaltung geschütztes hohes Wissen besaßen, es an Schüler weitergaben, die besonders geprüft wurden. Das Wissen vereinte offensichtlich spirituelle, politische, wissenschaftliche und künstlerische Inhalte zu einem Ganzen. Für einen Ägypter wäre die heutige Trennung der Bereiche Politik, Religion, Wissenschaft und Kunst völlig unvorstellbar. Und eigentlich ist der Unsinn dieser Trennung auch leicht zu erkennen. So wird z. B. Politik nur wirklich dauerhaft sein, wenn sie alle Wissenschaften perfekt anzuwenden und ganzheitlich zu kombinieren weiß, wenn sie Religion zur Schaffung eines gemeinsamen gesellschaftlichen Bewusstseins und einer alle Schichten des Staates umfassenden hohen Ethik integriert. Zu all dem wird auch die Kunst benötigt, welche die hohen Werte auch im Sinne dieser perfekten Politik mit allen Mitteln sichtbar machen und übertragen muss.
Und mehr noch: Wenn man die Maximen der Pharaonen und Wesire genauer analysiert, erkennt man das Ziel, alle Menschen an das höchste erreichbare Ideal heranzuführen.
Die alten Texte sagen, dass die Menschen von den Göttern unterstützt werden, um zu ihnen zu gelangen. Diese Götter sollen zu den ersten Menschen gekommen sein, ihnen einen Funken des Geistes übertragen haben, der es den Menschen ermöglichte, diesen in der Wissenschaft und in der Kunst anzuwenden, um dauerhafte zivilisatorische und kulturelle Strukturen zu bilden und auch um Kontakt mit dem Unsichtbaren zu erlangen.
Diese perfekte Anwendung eines unglaublich ganzheitlichen Wissens ist Magie.
Wenn die Weisen und die Führer des Volkes bis zum letzten Beamten wirkliche Vorbilder sind, wenn sich ihre Entscheidungen als zielführend und weise herausstellen, dann hat das "gemeine" Volk Vertrauen und befolgt alle Anweisungen natürlich und selbstverständlich, ohne nach den Gründen zu fragen oder sich eine eigene Meinung anzumaßen. Erst wenn die Entscheidungen schlechter werden, entsteht ein Murren im Volk, es folgt eine Zersplitterung in verschiedene Interessen und Parteien und es wird immer schwieriger bis unmöglich, richtige Maßnahmen rechtzeitig zu treffen.
Der geheime Sinn der Mumifizierung
Der Mensch bestand für sie aus sieben Ebenen oder Teilen. Der physische Körper war dabei nur der dichteste Teil, der von der wirklichen göttlichen Essenz des Menschen am weitesten entfernt ist. Die Ägypter stellten ihn als einen Ziegelstein mit Kopf dar. Das Wissen über die anderen Ebenen stellt das Zentrum des Wissens und damit der Magie dar. Die Mumifizierung hatte nicht - wie oft fälschlicherweise angenommen wird - die Aufgabe, den physischen Körper zu erhalten, sondern diente vielmehr dazu, ihn und einige der niederen Körper hermetisch abzuschließen und damit das Erheben der Seele Ba zu ermöglichen.
Das magische Gesetz der Analogie
In der Renaissance wurde mit der Tabula Smaragdina ein dem ägyptischen Hermes Trismegistos zugeschriebenes Werk aus dem 2. Jh. n. Chr. entdeckt. Es enthält sieben magische Gesetze, darunter auch das berühmte Gesetz der Analogie: "Wie oben so unten, wie unten so oben."
Es symbolisiert ein zum heutigen kausalen Denken grundsätzlich verschiedenes Denkprinzip. Das kausale Denken verlässt nie die Ebene, es ist prinzipiell horizontal. Im analogen Denken gibt es für jedes physische Gesetz ein entsprechendes Gesetz auf den "höheren", subtilen Ebenen. Heute findet dieses Prinzip z. B. in der Astrologie Anwendung, aber diese gilt noch weitgehend als unwissenschaftlich.
Magie im alten Rom - über Wunder und Zauber
Der Verfall der Ägyptischen Mysterien dauerte lange. Eigentlich ist das, was wir als ägyptische Geschichte kennen, ein einziger langsamer Verfall. Die ersten Pyramiden waren die perfektesten, ältesten Tempel und aus Granit, die späteren nur mehr aus Kalkstein. Von der Eroberung Ägyptens durch Alexander dem Großen im 4. Jh. v. Chr. bis zur Schließung des letzten ägyptischen Seraphistempels vergingen 800 Jahre. Das große Wissen war verloren, aber es gab immer noch genug Beweise für außergewöhnliche Leistungen. Aber das Volk verstand es nicht mehr und wurde damit zunehmend zur unregierbaren Plebs. Vielfältige niedere Zauberpraktiken wurden ausgeübt. Es gab nur mehr wenige Eingeweihte, die sich durch umfassendes Wissen und hohe Ethik auszeichneten.
Das Unverstandene, Unerklärliche wurde zum Zauber oder im Fall der Christen zu Wundern. Die Wunder des (in Ägypten ausgebildeten) Jesus unterschieden sich nicht von den magischen Leistungen eines Apollonius von Tyana oder Simon Magus. Magische Heilungen, das Austreiben von Dämonen, das Erwecken von Toten (oder Scheintoten), Levitationen wie das Gehen auf dem Wasser (Jesus) oder das Sich-in-die-Luft-Erheben (Simon vor Nero und Petrus), Materialisationen wie das Erscheinenlassen von Fischen (Jesus) oder Hunden (Simon) ist vielfach überliefert.
Der Neuplatonismus und die Theurgie
Diese im 2. Jh. von Alexandria ausgehende Bewegung hatte versucht, durch Meditation bzw. Kontemplation eine Vereinigung mit dem Göttlichen zu erreichen. Plotin soll wochenlang durchgehend in Meditationen verharrt haben. Von Porphyrius gibt es Berichte, dass er sich in geistiger Verzückung mehrmals bis zu zehn Meter in die Luft erhob und dass sein Körper dabei wie von einem goldenen Licht umgeben schien.
Alle Neuplatoniker lebten vegetarisch und sind für ihr reines, selbstaufopferndes und mildtätiges Leben bekannt. Jamblichos war noch in die Mysterien initiiert, von denen er mit Hochachtung sprach. Er sagte, dass ihre dramatischen Vorführungen dazu dienten, "von Leidenschaften zu befreien, indem man sich in ihren Anblick vertiefte, wobei alle üblen Gedanken durch die Ehrfurcht gebietende Heiligkeit, von der diese Riten begleitet waren, verbannt wurden".
Der Gnostiker Simon Magus
Von ihm wissen wir vor allem durch ihm feindlich gesinnte Kirchenväter. Seine Existenz war lange umstritten und konnte schließlich durch das Auffinden des dem hl. Hippolyt (um 235) zugeschriebenen griechischen Manuskriptes "Philosophumena" zweifelsfrei nachgewiesen werden. Wegen seiner magischen Künste wurde er auch "die große Kraft Gottes" genannt. Einmal soll ihn seine Mutter Rachel angewiesen haben, ein Feld zu mähen. Simon ließ eine Sichel diese Arbeit tun, die sie nicht nur selbständig, sondern sogar zehnfach besser als gewöhnlich ausführte.
Simon soll Statuen zum Lachen und zum Gehen sowie Hunde zum Singen gebracht haben. Simon begab sich nach Rom und wurde dort geschätzter Ratgeber von Kaiser Nero, den er überzeugte, indem er sich bei einem Treffen bald eine jugendliche, bald eine alte Erscheinung gab. Bei einem anderen Treffen mit dem Kaiser soll er gleichzeitig draußen zum Volk gesprochen haben.
Die Kirchenlehrer machen Simon zu einem Rivalen vor allem des Paulus. Seine Fähigkeiten und Lehren wurden offensichtlich von der jungen Kirche als große Gefahr aufgefasst. Es wird auch von magischen Kämpfen mit Petrus und Paulus berichtet. So soll Simon Magus vor Kaiser Nero und diesen Aposteln einen großen schwarzen Hund erschaffen haben. Petrus konnte diesen aber mit Brot besänftigen. Als Simon sich schließlich in die Lüfte erhob, soll ihn Petrus dadurch besiegt haben, dass er ihn abstürzen ließ, wobei Simon sich das Genick gebrochen haben soll. Nero soll daraufhin erbost die Apostel eingekerkert haben.
Apollonius von Tyana
Apollonius war ein Philosoph Anfang des 1. Jh. nach Christus. Nach einem Bericht des Kirchenvaters Hieronymus war er Zeitgenosse des Apostels Johannes.
Schon sehr früh zeigte er außergewöhnliche Vernunft und Scharfsinn und alle berichteten von seiner außergewöhnlichen Schönheit. Als Erwachsener studierte er Philosophie und war eifriger Anhänger des Pythagoras. Er führte ein Leben physischer und moralischer Reinheit. Gemäß den Vorschriften der pythagoräischen Schule war er sein ganzes Leben hindurch Vegetarier, ernährte sich nur von Kräutern und Früchten, trank niemals Wein, weil dieser die Geistesklarheit trübt, ging barfuß, trug keine aus Tierhaar oder -fell gefertigte Kleidung und meditierte dreimal täglich. Allerdings drängte er niemanden seine Lebensweise auf - auch seinen Schülern nicht.
Sein Leben war eine Wanderschaft, die ihn über Babylon bis nach Indien führte, wo die weisen Nagas, die "großen Schlangen", seine Lehrer waren. Apollonius berichtet von einem fünfjährigen Schweigen als Vorbereitung zur Einweihung in gewisse Mysterien. Apollonius wurde, wie Jesus, als König angesprochen, da er ein Heiler war. Er heilte Krankheiten durch Handauflegen, rief Scheintote ins Leben zurück und besaß auch die Macht, Besessenheit auszutreiben, in dem er die Atmosphäre innerhalb und außerhalb des Kranken reinigte.
Seine großen Wundertaten wurden seinem tiefen Wissen über Sympathien und Antipathien in der Natur zugeschrieben, so soll er beispielsweise auch die Pest vertrieben haben.
Die Phänomene, die von ihm hervorgebracht wurden, sind zahlreich und belegt. Justinius, der älteste Kirchenvater, fragt: "Wie kommt es nur, dass die Talismane des Apollonius solche Macht haben? Denn sie halten, wie wir mit eigenen Augen sahen, die Wut der Wogen, die Heftigkeit der Winde und die Angriffe wilder Bestien zurück."
Apollonius bekannte: "Ich kann Gegenwart und Zukunft wie in einem Spiegel sehen. Der Weise braucht nicht auf äußere Anzeichen in der Natur zu warten, um Fieber oder Seuchen vorherzusagen. Er weiß sie später als Gott, aber früher als das Volk. Die Götter sehen die Zukunft, die wahren Menschen ihr Herannahen, die gewöhnlichen Menschen die Gegenwart. Meine besonders enthaltsame Lebensweise bewirkt eine solche Feinheit der Sinne, dass die großartigsten und merkwürdigsten Dinge vollbracht werden können."
Mittelalter - Magie kontra Aberglauben
Mit der Schließung der letzten heidnischen Tempel und der platonischen Akademie in Athen im 5. Jh. waren nicht nur die Mysterien für den Okzident verloren. Auch die Philosophie stand vor einem Neubeginn.
Die antike Philosophie diente nur mehr als Arbeitsmaterial, um die Offenbarung philosophisch zu fundieren. Es gab aber keine unabhängige Suche nach der Wahrheit mehr. Die Reste des magischen Wissens verkamen vielfach zu schwarzer Magie, zu Zauberei und Aberglauben. Es gab aber auch Versuche, das reine Wissen zumindest teilweise zu erhalten. Dieses musste sich aber in den Untergrund zurückziehen. Die Inquisition begann ihr schwarzes Werk und versuchte alles magische Wissen außerhalb der Kirche zu zerstören.
Mit den Kreuzzügen kam es zu Kontakten mit dem arabischen Raum, in dem sich noch wichtige Teile des magischen Wissens bzw. der antiken Literatur erhalten hatten. So entwickelten sich ab dem 12. Jh. zwei wesentliche Ströme magischen Wissens. In den Klöstern tauchte eine Reihe von glanzvollen Gelehrten auf, die aus den Literatursammlungen der Kirche schöpften. Der zweite Strom - die Alchemie - war mehr mit den Herrscherhäusern verbunden.
Alchemie - der Traum vom Gold und vom ewigen Leben
Die Magie bekam mit dem Aufkommen der alchemistischen Symbolik einen neuen Impuls. Die Erklärungen benützen die Symbolik der Elemente und der Metalle. Der Traum von der Verwandlung von Blei in Gold ist für jeden fassbar und erstrebenswert. Dass mit Verwandlung des inneren Bleis in inneres Gold auch ein Initiationsweg, eine psychologisch-spirituelle Transformation gemeint war, ist noch heute vielfach unbekannt.
Zur physischen Umwandlung von Blei in Gold gibt es zahlreiche Berichte, unter anderem vor Päpsten und Königen.
Später wurde die Alchemie oft als die verrückte Mutter der vernünftigen Tochter Chemie bezeichnet. Aus heutiger Sicht können wir die Chemie als Physik der Atomhülle bezeichnen. Die Alchemie als Lehre von der Verwandlung der Elemente würde eher unserer Kernphysik entsprechen. Übrigens: Im Jahr 2003 konnte erstmals mit speziellen Lasern Gold in Quecksilber verwandelt werden.
Albertus Magnus
Als Graf Albert von Bollstädt wurde er 1193 in Lauingen an der Donau geboren. Im Laufe seines langen Lebens (gestorben 14.11.1280 in Köln) verwandelte er sich in Albert den Großen, Doctor universalis, um sich ganz seinem Lebensziel zu widmen: Den Menschen eine Gesamtschau der Schöpfung Gottes zu ermöglichen. Er wurde Dominikaner, deren Leitung er dann auch übernahm, Professor für Theologie an der Universität in Paris und Bischof von Regensburg.
Eine belgische Chronik bezeichnet Albert den Großen groß in der Magie, größer in der Philosophie und am größten in der Theologie. Im Hinblick auf seinen Einfluss müsste die Stufenfolge umgekehrt sein. Wäre die Entwicklung der Naturwissenschaften auf der von Albert eingeschlagenen Bahn weitergegangen, wäre ihr nach Meinung mancher Schriftsteller ein Umweg von drei Jahrhunderten erspart geblieben. Für Albert sind alle Wissenschaften Augen, mit denen man Gott sehen kann. Umgang mit der Natur pflegen heißt, sich mit den Spuren Gottes zu beschäftigen. Er schöpfte seine Naturerkenntnisse nicht wie damals üblich hauptsächlich aus Büchern, sondern vor allem aus der Erfahrung. Seine ersten Lehrer waren Bauern, Schäfer und Fischer. Und er schrieb Bücher über Botanik, Mineralogie, Geographie, Physik, Chemie und Zoologie.
In Alberts eigenen Abhandlungen finden sich zahlreiche Anspielungen auf die magischen Künste. Nie zweifelt er daran, dass magische Wunder zustande gebracht werden können, denn Alberts Meinung nach gibt es eine gute, natürliche Magie, von der sich viel in den Schriften der Araber und der hermetischen Literatur findet. Pflanzen und Steine beispielsweise enthalten wunderbare Kräfte, von denen die Kirchenväter nichts berichten. Gravierte Edelsteine besitzen geheimnisvolle Kräfte: Talismane, magische Bilder, Münzen u.a. Alle Eigenschaften der irdischen Natur kommen von den Gestirnen her, denn nach Aristoteles bestimmen die Himmelskörper, was auf der Erde geschieht. "Wer die Schriftzüge der Gestirne an den Körpern zu lesen versteht, kann deren Schicksal vorausberechnen", sagt Albert und bezeichnet damit die Basis jeglicher Kunst der Vorhersage. Ob es die Linien in einer Hand oder auf der Stirn sind, die Adern eines Blattes, die Bildung von Hirschgeweihen, die Form eines Steines, dies alles sind "Physiognomien", die der Wissende zu lesen versteht.
Als Graf Wilhelm II. von Holland mit ihm in Köln speiste, ließ Albert den Tisch im Klostergarten decken, obwohl es mitten im Winter war. Als die Gäste ankamen, fanden sie einen schneebedeckten Tisch vor. Als sie sich aber gesetzt hatten, soll der Schnee verschwunden sein und der Garten sich mit duftenden Blumen gefüllt haben. Die Vögel flogen umher wie im Sommer und die Bäume standen in voller Blüte.
Albert soll auch einen Automaten gebaut haben, der die Gestalt eines Menschen hatte und als sein Diener fungierte. Dieser Automat konnte sogar sprechen, und zwar scheinbar so viel, dass sein Wortschwall den Schüler Alberts, den fleißigen Thomas von Aquin, störte, sodass er die Maschine zerschlagen haben soll.
Renaissance - Die Wiedergeburt von Philosophie und Magie
Die Kreuzzüge des Mittelalters hatten das Schrifttum der griechischen und arabischen Philosophen dem Westen zugänglich gemacht. Der Fall von Byzanz im 15. Jh. brachte zahlreiche Gelehrte nach Europa. Die neuen Impulse veränderten das Denken.
Das neue Denken entwickelte sich vor allem in Florenz, weil dort mit Cosimo de Medici eine strahlende Persönlichkeit Gelehrte und Übersetzer anzog. Er sammelte orientalische Bücher und sorgte für deren Übersetzung. Dies löste mit dem Humanismus eine Strömung religiöser Toleranz aus. Man versuchte wieder einmal Religion und Philosophie zu versöhnen.
Man wollte die wieder entdeckte Weisheit des Orients mit der eigenen Zeit in Beziehung setzen. Man sah in der Antike ein goldenes Zeitalter, das dann in einem stufenweisen Verfall über eine silberne, bronzene zur damaligen eisernen Phase degeneriert war. Man erkannte sich in einem harten dunklen Moment des Eisens und wollte nun den Glanz der goldenen Samen wiedergewinnen.
Dies alles hatte Auswirkungen auf den Begriff Magie. Das neu zugängliche Wissen zeigte die Weisheit des Orients und deren rationale Wurzeln. Man begann wieder aktiv zu forschen und wollte die Gesetze des Universums verstehen.
Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486 - 1535)
Agrippa war ein außergewöhnlicher Wissender seiner Zeit. Er war Arzt, Philosoph, Diplomat, Jurist und lehrte an verschiedenen Universitäten auch Theologie. Vor allem jedoch studierte und praktizierte er die hermetischen Wissenschaften: Magie, Alchemie, Astrologie und die Kabbala. Gefördert von Abt Trithemius versucht er die Magie als Naturwissenschaft zu beweisen.
Wesentlich ist für ihn und die Zeit die Lehre vom Mikro- und Makrokosmos oder anders ausgedrückt das Gesetz der Analogie. Gott hat drei Welten geschaffen, die Welt der Elemente (geistig), die der Gestirne und Engel und jene der Menschen. Sie sind hierarchisch geordnet, die jeweils niedrigere ist ein Abbild der höheren. Alles wird von der Quinta essentia, der Weltseele, belebt.
Er teilt die Magie, wie damals üblich, in drei grundsätzliche Gattungen:
1. Die "Natur-Magie" oder "Physik" ist auf die Erkenntnis der energetischen und magischen Eigenschaften der gesamten Schöpfung gerichtet, d.h. auf die Wechselbeziehungen der Minerale, Tiere, Metalle und Pflanzen zu den himmlischen und göttlichen Mächten.
2. Die "himmlische Magie" oder "Mathematik" versteht die Zahlen als spirituell-energetische Potenzen und untersucht deren Einfluss auf die Schöpfung. Alles, was lebt oder existiert, hat eine Beziehung zu einer Zahl. Es geht also vor allem um Astrologie und Numerologie, wobei ganz nach klassischem Vorbild der Mensch über einen freien Willen verfügt und sich nach freier Wahl für oder gegen das Gute entscheiden kann. Die Sterne determinieren nichts, sie können nur erleichtern oder erschweren.
3. Schließlich enthält die "zeremonielle Magie" oder "Theologie" das für die Praxis der Magie wesentliche Wissen: Eine Zeremonie ist ein Stück Ewigkeit in der Zeit. Ihre präzise Durchführung in Verbindung mit einer genauen inneren Vorbereitung und Haltung erlaubt es den Mächten einer höheren Ebene, sich auf einer niedrigeren Ebene zu manifestieren.
Da seine Schriften und seine Interessen für die meisten Menschen unverständlich waren, wurde Agrippa bald als Hexer betrachtet, was ihm zunächst Probleme mit den Dominikanern einbrachte und bald schon Inhaftierung und Verbannung. Vergeblich versuchte er in Italien, später in Frankreich Fuß zu fassen und starb, nicht einmal 50-jährig, verarmt und verachtet in Grenoble. Agrippas Leben ist umrankt von Mysterien und Legenden. Was sein Werk betrifft, so suchte Agrippa nicht nur das lernbare, äußere Wissen, d.h. die vermittelbare Information und Bildung, sondern vor allem das unmittelbare Wissen, das aus dem Erleben und der Erfahrung stammt, das innere Wissen.
Giordano Bruno (1548 - 1600) - das Ideal des universellen Menschen
Diese Persönlichkeit stellt wegen ihrer Vielseitigkeit noch heute ein großes Rätsel dar. Er war von den Dominikanern ausgebildet worden, zog sein Priestergewand jedoch bald wieder aus und floh vor der Inquisition. Man hatte ein Buch von Erasmus von Rotterdam unter seiner Türschwelle gefunden. In seinem Leben voll von Lehrtätigkeit (auch vor Königen) schuf er ein außergewöhnliches Werk.
Heute ist er vor allem bekannt durch seine astronomischen Kenntnisse. Er war der Erste, der die Sterne als weit entfernte Sonnen erkannte und das Phänomen der Kometen richtig beschrieb. Sein wirkliches Werk (das auch heute noch, weil zum Teil unverstanden, nur teilweise übersetzt ist) bestand aber darin, mehrere Wege zur Erlangung der Erkenntnis des Göttlichen darzulegen. Da war zum einen die Merkkunst oder Mnemotechnik, die er in höchsten Aspekten zur Entwicklung der Intuition einsetzte. Diesen Weg zeigte er auch über seine magischen Figuren und das Geheimnis der Zahlen.
Ein weiterer Zugang war die Darstellung einer Psychologie für heroische (entwickelte) Charaktere ("Von den heroischen Leidenschaften"). Schließlich verfasste er auch ein soziopolitisches Werk, in dem er mit dem Merkbild des Himmels die notwendigen Tugenden und deren Installierung in einem Gemeinwesen ("Die Vertreibung der triumphierenden Bestie") beschrieb.
1592 wurde er dann in Venedig von der Inquisition verhaftet und nach einer achtjährigen Haft mit Folter schließlich in Rom am Scheiterhaufen verbrannt. Trotz Folter und mannigfachen Überredungsversuchen war er nicht bereit, seine Lehren zu widerrufen, er blieb standhaft bis zu seinem gewaltsamen Tod.
Magie in der Aufklärung und Neuzeit
Im 17. und 18. Jahrhundert gab es noch einen ausgeprägten Glauben an Übernatürliches. Während der Aufklärung gab es noch eine ausgeprägte magische Praxis, die sich aber vor allem auf die kunstvolle Herstellung von Amuletten und Talismanen bezog.
Gleichzeitig bewirkten die Schriften Descartes eine Trennung der Wissenschaften in die Geisteswissenschaften (Philosophie und Theologie) und die Naturwissenschaften (Psychologie, Medizin, Physik, Mathematik etc.). Seine Vorliebe für das Messen (Was messbar ist, messen und was nicht messbar ist, messbar machen) führte zu einem großen Aufschwung der Naturwissenschaften, während die Geisteswissenschaften allmählich an Bedeutung verloren.
Dies führte dann zu einem ausgeprägten philosophischen Materialismus, der im 19. Jahrhundert einen Höhepunkt erreichte. Man glaubte kurz vor der Entdeckung der Weltformel zu stehen.
Comte de St. Germain - der Mann, der Jahrhunderte lebte
Er war gewiss die schillerndste Persönlichkeit seiner Zeit. Er soll 300 Jahre alt geworden sein und sah immer aus wie ca. 50 Jahre alt.
So erschien er am Hofe Ludwigs XV., wo er diesen und dessen Mätresse, Madame Pompadour, mit alchemistischen und chemischen Kenntnissen, vor allem aber mit der Herstellung synthetischer Edelsteine beeindruckte. Innerhalb kurzer Zeit wurde er zum unersetzlichen Ratgeber und Diplomaten für Ludwig und soll auch an der Planung des Suez-Kanals beteiligt gewesen sein. Bis nach China, Indien und in arabische Länder führten ihn seine Reisen. Als Gast des Schahs von Persien beispielsweise wirkte er als Ratgeber und Alchemist. Und Zeit seines Lebens arbeitete er an verschiedenen Höfen Europas als französischer (Geheim)Diplomat: in Wien (Maria Theresia), Preußen (Friedrich II.), England und Russland (Peter III., Katharina II.), wobei er in London als Violinvirtuose brillierte und überall wegen seiner außergewöhnlichen Bildung, seines fesselnden Konversationsstils und seines Charmes ein gern gesehener und umschwärmter Gast war.
Als Arzt gelang es Graf St. Germain, Katharina II., aber auch Ludwig XV. vor Giftanschlägen zu schützen. Und es verwundert wenig, dass beide Herrscher ihn als Leibarzt beschäftigten.
Voltaire schrieb in einem Brief an Friedrich den Großen (1760): "Man sagt, dass das Geheimnis des Friedens nur von einem gewissen Herrn von Saint-Germain gekannt werde, welcher ehemals mit den Vätern des Konzils soupiert habe. Er ist ein Mann, der alles weiß und niemals stirbt." Graf Philipp Cobenzl, österreichischer Gesandter in Belgien: "Saint-Germain ist Dichter, Musiker, Schriftsteller, Arzt, Physiker, Chemiker, Mechaniker und ein gründlicher Kenner der Materie. Kurz, er hat eine universelle Bildung, wie ich sie noch bei keinem Menschen fand."
Daniel Douglas Home (1833-1886) - das bedeutendste Psychokinese-Medium neuerer Zeit
Er produzierte - bei Tageslicht! - nahezu alle bekannten paranormalen Phänomene; meist schien er dabei im Wachzustand zu sein und nur bei wenigen Manifestationen (Telekinese, Levitation, Feuerunempfindlichkeit) war Home offenbar in Trance.
1858 heiratete er in St. Petersburg Alexandrina, Gräfin von Kroll. Alexandre Dumas war Trauzeuge und Leo Tolstoi der Brautführer. Er bereiste Italien, Frankreich, Russland; gekrönte Häupter baten ihn um Séancen, Papst Pius IX. empfing ihn in Privataudienz und in Baden-Baden gab er eine Sitzung für den späteren Kaiser Wilhelm II. Einmal setzten, von "Geistern" angekündigt, Homes parapsychische Fähigkeiten für ein Jahr aus.
Ab 1871 wurde Homes vor allem von Crookes beobachtet, der die Untersuchungen meist bei Licht im eigenen Laboratorium durchführte. Vor allem wurden zwei Erscheinungen immer wieder überprüft: Gewichtsveränderungen bei Gegenständen und Menschen sowie das plötzliche Spielen von Instrumenten, ohne dass diese manuell bedient wurden. So soll ein Akkordeon mehrfach die Melodie "Home, Sweet Home" erklingen haben lassen. Crookes verbürgte sich außerdem als Zeuge für drei Levitationen Homes (einmal auf einem Stuhl sitzend) und zweier Levitationen einer anderen Person. Crookes berichtet auch über Materialisationen: Einmal, während er Homes Extremitäten kontrollierte, reichte ihm eine kleine, wohlgestaltete Hand aus einer Tischplatte heraus eine Blume (= Verbindung von Materialisation und Apport).
Helena Petrovna Blavatsky (1831 - 1891) - die "Mutter" der Esoterik
Die aus einer russischen Adelsfamilie stammende Helena Petrovna Blavatsky muss hier auch noch erwähnt werden. In ihrem abenteuerlichen Leben, in dem sie als Frau im 19. Jahrhundert mehrmals die Welt umrundete, nahm sie Kontakt zu den außergewöhnlichsten Menschen und Gelehrten in aller Welt auf. Nach mehreren Versuchen gelang es ihr auch in Tibet eine dreijährige Ausbildung zu erlangen. Bemerkenswert war unter anderem, dass sie danach über 30 lebende und tote Sprachen beherrschte.
Sie hatte von ihren Meistern den Auftrag erhalten, im Westen bestimmte Lehren zu veröffentlichen. Sie tat dies mit ihrem monumentalen Werk "Die Geheimlehre", das für alle folgenden esoterischen Strömungen eine wesentliche Grundlage wurde.
Die Ausbildung in Tibet ermöglichte ihr schließlich auch die parapsychologischen Phänomene, die es immer in ihrer Umgebung gab, zu willentlich beherrschten Fähigkeiten zu machen. Da sie immer wieder Gegenstände materialisiert hatte, bat man sie bei einem Picknick eine fehlende Tasse zu materialisieren. Sie stimmte zu und wies die Männer an, unter einer dicken Wurzel eines Baumes nachzuschauen. Die Wurzel musste gekappt werden, und schließlich fand man unter ihr die gewünschte Tasse.
Magie im 20. und 21. Jahrhundert
Der Begriff Magie hat sich wegen der vorherrschenden materialistischen und atheistischen Weltsicht und natürlich auch wegen der zunehmenden Unkenntnis so grundlegend gewandelt, dass allgemein kein Verständnis mehr vorhanden ist. Magie wird im Wesentlichen mit Taschenspielertricks und Illusionskunst gleichgesetzt. Die Menge staunt und unterhält sich.
Die Wissenschaften werden zunehmend spezialisierter und verlieren zunehmend den Sinn für eine Synthese des Wissens. Das gegenseitige Verständnis sinkt und auch die Möglichkeit zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Die neuen wissenschaftlichen Entdeckungen und Theorien steigern die Autorität der Wissenschaften.
In den Schulbüchern werden viele in wissenschaftlichen Kreisen durchaus noch umstrittene Theorien als Tatsachen beschrieben.
So bleibt es weitgehend unbekannt, dass viele Forschungsergebnisse in das Weltbild nicht mehr sinnvoll eingebaut werden können. So werden z. B. in der Parapsychologie viele Phänomene nachgewiesen, aber es fehlt an Theorien zum Verständnis und zur Einordnung des neuen Wissens. So bleiben Forschungsergebnisse, welche die alten Überlieferungen über Magie und Alchemie in ein neues Licht rücken könnten, noch weitgehend unbeachtet. Und wir stehen derzeit in einer Welt mit mehr Wissen, aber weniger Verständnis. Die Anwendung des Wissens verfolgt weitgehend persönliche und egoistische Interessen und die Auswirkungen werden nicht bedacht. Es ist die Zeit der "Zauberlehrlinge" und der vielfach ungewollten Wirkungen des ohne übergeordnetes Verständnis eingesetzten (lückenhaften) Wissens.
Nach einer Zeit der Unordnung - möge sie nur kurz dauern - wird sich der Kreis wieder schließen. Die Vorsicht wird wieder zunehmen. Man wird verantwortungsvoller und umsichtiger mit dem Wissen umgehen. Das "Wissen" wird sich wieder zurückziehen und nur "Eingeweihten" mit hohem Verantwortungssinn und hoher Ethik zugänglich werden.
Die neuen Alchemisten
Den Physikern an der Universität Strathclyde in Glasgow ist es 2003 mit riesigen Lasern gelungen, ein Metall in ein anderes zu verwandeln. Sie veränderten dabei den Atomkern und verwandelten Gold in das unedlere Quecksilber. Seltsamerweise werden dadurch die alten Alchemisten mit all ihren vor Königen und mannigfachen Würdenträgern vorgeführten Umwandlungen von Blei in Gold aber nicht rehabilitiert.
Parapsychologie
Zu allen Zeiten versuchte man aufgetretene Phänomene zu erklären. Im 20. Jahrhundert kreierte man eine neue Wissenschaft - die Parapsychologie. Sie untersucht Erscheinungen, die über das normale Seelenleben hinausgehen: Telepathie (Gedankenübertragung), Präkognition (Vorherwissen), Telekinese, Rückerinnerungen an frühere Leben, Spukphänomene u. a. m.
In den letzten beiden Jahrzehnten ist es um die Parapsychologie jedoch um einiges stiller geworden. Dies mag auch damit zu tun haben, dass die parapsychologische Forschung vor allem für militärische Zwecke mit entsprechender Geheimhaltung durchgeführt wurde.
Nina Kulagina (1927 - 1990) - das russische Telekinesemedium
Sie wurde in den 1960er Jahren vor allem durch Telekinesephänomene bekannt.
Sie bewegte mit Gedankenkraft Gegenstände, die sich unter einem Glassturz befanden. Bei einem Experiment hing ein Tischtennisball an einer sehr dünnen Spiralfeder im Innern eines zehn Kubikzentimeter großen Plexiglaswürfels. Diese Konstruktion sollte eigentlich eine Aufwärtsbewegung des Balls erleichtern, für den Fall einer Einwirkung durch die Probandin.
Doch es gab offenbar Schwierigkeiten bei der Verständigung. Kulagina ließ den Ball nicht wie vom Versuchsleiter geplant nach oben, sondern gleichmäßig hin und her pendeln. Die Seitenwände des Würfels wurden zunächst nicht berührt. Kurz darauf schlug der Ball plötzlich mehrmals deutlich hörbar an die sich gegenüberliegenden Innenseiten des Würfels. Dann konnte man eine noch beeindruckendere Bewegung beobachten. Der an der Feder hängende Ball zog - entgegen dem Federzug - langsam nach unten zum Boden des Würfels. Von dort bewegte er sich dann unter stetigem Zug der Feder langsam zur Seite, die der Probandin zugewandt war. Als diese sich schließlich entspannte, sprang der Ball an der Feder wieder in seine Ausgangsposition zurück.
Prof. Keil, der Versuchsleiter, steht bis heute zu seiner Meinung, dass "Manipulationen unter den gegebenen Umständen kaum unentdeckt hätten bleiben können".
David Copperfield - der König der Illusionisten
Er entführt das Publikum durch groß aufgezogene Show-Events, deren Tricks teilweise Jahre der Vorbereitung benötigen, in eine Welt des Staunens. Copperfield fliegt, er zersägt Jungfrauen oder er lässt sie schweben. Er ließ die Freiheitsstatue "verschwinden" und wieder "erscheinen" und "ging" durch die Chinesische Mauer... Der heute so hoch bewertete Verstand findet keine Erklärungen. Wie kann man diese Illusion bloß vollbracht haben?
Viele hilfreiche Hände arbeiten am Gelingen jedes dieser Tricks. Alle technisch möglichen Mittel werden eingesetzt und ausgenützt. Jeder Mitarbeiter wird gegen höchste Pönale verpflichtet, über die Hintergründe zu schweigen. So kann mittlerweile seit vielen Jahren diese Aura des Geheimnisvollen erhalten bleiben, denn der erwachsene Teil des Menschen denkt: "Es muss doch eine logische Erklärung geben." Das Kind, das in jedem steckt, jedoch hofft: "Vielleicht kann er doch zaubern..."
Wer sich über die Tricks informieren möchte, kann folgenden Link benutzen: http://home.snafu.de/tilman/zauber/zt_gel.html
Die zukünftige Entwicklung der Magie
Mit dem Artikel sollte gezeigt werden, dass unter Magie immer das verstanden wird, was das jeweils akzeptierte Wissen der Zeit übersteigt. Es sollte auch klar werden, dass man mit manchen Kenntnissen sehr vorsichtig umgehen und sie vor egoistischer Anwendung schützen muss. Heute haben wir die Büchse der Pandora leider geöffnet. Das Wissen über die Kräfte des Atoms ist entkommen - mit dem allen bekannten Ergebnissen, wobei der katastrophalste Teil wahrscheinlich noch vor uns liegt. Andererseits liegt in dem "magischen" Wissen auch die Chance zur Bewältigung der anstehenden globalen Probleme. Das "magische" Ägypten kann uns hier ein Vorbild sein. Es konnte jahrtausendelang stabil fruchtbar und glücklich existieren.
Autor: Wigbert Winkler
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(aus: Abenteuer Philosophie Heft Nr. 100)
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