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Atlantis

Die sagenumwobene Insel - Legende oder Wirklichkeit ?

 

Die Existenz der „Insel Atlantis" konnte bis jetzt noch von keinem Forscher weder endgültig bewiesen noch widerlegt werden. Doch abgesehen von einer physischen Existenz oder Nichtexistenz erhebt sich die philosophische Frage, welche Konsequenzen des „Mythos Atlantis" für uns haben könnte - Konsequenzen für unsere heutigen Lebenseintellungen. Die Autorin dieses Artikels geht einigen Hypothesen und ihren möglichen Konsequenzen nach.

 

Wir kennen von Atlantis nur ungefähr die Todesstunde, seine Geburt hingegen, die Entwicklung dieser geheimnisvollen Zivilisationen und die legendären Könige sind hingegen nicht Teil unserer Geschichte.

 

Trotzdem beschäftigt dieses sagenumwobene Reich nach wie vor die Gemüter der Menschen. Inzwischen sind ungefähr 25 000 Bücher darüber geschrieben worden, und das Interesse an Atlantis scheint eines der faszinierendsten Themen der Menschheit zu sein.

 

Viele Autoren vertreten heute die Ansicht, daß die Existenz von Atlantis eine nicht zu bestreitende Tatsache sei und begründen dies mit verschiedenen Beweisführungen.

 

Paläontologen sagen, daß es die Eisgletscher in den nordwesteuropäischen Ländern nur gegeben habe, weil der Golfstrom, der sie sonst abgeschmolzen hätte, nicht bis zu Europas Küsten, sondern nur bis zu jener riesigen Insel (Sperrinsel X) mitten im Meer flutete, die dem Atlantik seinen Namen gegeben hat.

 

In diesem Zusammenhang ist die Kontinentalverschiebungstheorie des deutschen Geophysikers Alfred Wegener eine interessante Ergänzung. Diese geht davon aus, daß sich im Laufe der Erdgeschichte die Kontinente horizontal verschoben hätten. So lösten sich die Antarktis, Australien und Vorderindien von Afrika und Amerika vom euroasiatisch-afrikanischen Block. In den Trennungszonen entstanden Atlantik und der Indische Ozean, an den Stirnseiten der driftenden Kontinente schoben sich Faltengebirge zusammen. Fügt man die Kontinente jedoch wieder aneinander, so entdeckt man, daß auf der nordatlantischen Hälfte ein mächtiges Loch zwischen den Schelfen klafft. Die Konzeption Wegeners beinhaltet dies jedoch nicht. Wegener glaubte nicht an die Existenz einer Sperrinsel X im Atlantischen Ozean, da nach seiner Zeichnung die Schelfe der beiden Schollensysteme rechts und links vom Atlantik auch ohne eine solche Zwischenscholle zusammenpaßten.

 

Kombiniert man jedoch seine Theorie mit der Idee der Sperrinsel X, so ist erkennbar, daß die beiden Schelfe sehr genau an den Atlantikrücken (Sperrinsel X) passen:

 

Die Frage, wie diese im Atlantik vermutete Insel verschwunden sei, wird durch zwei sich widerstreitende Ansichten vertreten. Nach Hartung, einem deutschen Geologen, der um 1860 die Azoreninsel beschrieb, sowie nach Platon sei es zu einer Absenkung gekommen, die sich langsam und schleichend vollzogen habe.

 

Laut Hartung lassen die geologischen Urkunden den Schluß zu, daß das Gebiet, in dem man Atlantis (Sperrinsel X) vermutet, am Ende des Quartärs plötzlich abgesenkt wurde, und zwar desto tiefer, je näher es zum Katastrophenherd lag, der irgendwo südlich des Azorenraumes vermutet werden könnte. Gerade das aber berichtet Platon über das Verschwinden der legendären Insel: „...an einem Tag und einer Nacht."

 

Welches jedoch waren die Ursachen dieser Absenkung? Eine oft vertretene Ansicht ist der Einschlag eines Planetoiden oder Meteors und einer damit verbundenen Polverlagerung, wobei dies eine Schwenkung der Erdachse um etwa 20 Grad bewirkte. Dies muß zu einem plötzlichen Klimawechsel geführt haben. Seit mindestens 1600 Jahren graben die Tungusen prähistorische Mammut-Fleischberge aus dem hartgefrorenen Boden. Die Mammutmägen enthielten häufig noch unverdautes und mitkonserviertes Futter, wie zum Beispiel Lärchen-, Fichten- und Tannennadeln. Als Todesursache ergab sich immer derselbe Befund: Tod durch Ersticken. Diese Erklärungen einer Reihe von Wissenschaftlern über den plötzlichen Untergang von Atlantis decken sich auch mit den Sagen der Völker über dieses Ereignis vor mehr als 11 000 Jahren.

 

Wenn wir in Platons „Kritias" nachlesen, so gleicht sich der Inhalt sehr. Platon verweist in seinem Werk darauf, daß der weise Priester Solon um 560 v. Chr. in Ägypten Einzelheiten über die Zerstörung und den Untergang von Atlantis erfahren haben soll. Solon hatte dem Großvater von Kritias (dieser hieß ebenfalls Kritias) anvertraut, der Priester der Göttin Neith, der Schutzpatronin der Wissenschaften, hätten von jahrtausendealten Dokumenten in Tempelarchiven gesprochen, welche über den plötzlichen Untergang von Atlantis um etwa 9560 v. Chr. berichten würden.

Platon verwechselt Atlantis nicht mit Amerika. Er spricht ausdrücklich von einem weiteren westlich von Atlantis gelegenen Erdteil, verlegt ihn in einen Ozean jenseits der Herkulessäulen (hinter der Meerenge von Gibraltar also) und sagt, das Mittelmeer gleiche „eher einer Hafenbucht mit schmaler Einfahrt".

 

Nach Platons Bericht lag im Herzen von Atlantis eine rings von Bergen umschlossene, von den Nordwinden geschützte, etwa sechs Millionen Stadien große, langgestreckte Ebene (Das sind umgerechnet etwa 191 380 Quadratkilometer).

 

Das subtropische Klima ermöglichte zwei Ernten im Jahr. Der Kontinent war reich an Mineralstoffen und Edelmetallen; es gab kalte und warme Gewässer im Überfluß, und die Landwirtschaft blühte. Wirtschaft, Handwerk und Wissenschaft waren hochentwickelt. Breite Kanäle durchzogen das Land, um die Städte legten sich schützende Mauern mit großen Toren, umkleidet von einer glänzenden Metallegierung aus Kupfer, Zink und Zinn, ähnlich dem warmen Ton einer Kupfer-Gold-Legierung. Die öffentlichen Gebäude und Privathäuser waren aus weißem, rotem und schwarzem Stein gebaut. Der Poseidon-Tempel war über und über mit Gold geschmückt, seine Wände silberverkleidet. Der Sage nach soll Atlantis dem Poseidon zugefallen sein, als die Götter einstmals die Erde untereinander aufteilten. In diesem Tempel hielten die zehn atlantischen Könige regelmäßig ihre Ratssitzungen ab. Regelmäßig besprachen sie bei ihren Zusammenkünften ihre gemeinsamen Anliegen, achteten auf die Einhaltung der Gesetze und sorgten für gerechte Strafen bei Verstößen.

 

Solon zufolge bestand das Bodenheer und Marine aus 1 200 000 Mann, woraus man schließen kann, daß die Bevölkerung viele Millionen Menschen gezählt haben muß. Die Neith-Priester berichteten, daß die zehn Herrscher „während vieler Menschenalter, solange nämlich die göttliche Natur in ihnen wirksam war, den Gesetzen gehorsam und den ihnen verwandten Göttern freundlich gesinnt waren. Denn ihr Denken war aufrichtig und in allen Dingen großzügig, indem sie gegenüber allem, was ihnen das Schicksal brachte, und auch  in ihren gegenseitigen Beziehungen eine mit Klugheit verbundene Milde walten ließen. Neben der menschlichen Tüchtigkeit achteten sie alles andere gering und nahmen mit Gleichmut die Masse ihres Goldes und der übrigen Kostbarkeiten hin, als wären sie eine Last. Als aber der Anteil am göttlichen Wesen dahinschwand, weil er immer wieder mit vielem Irdischen vermischt wurde und so die menschlichen Züge Oberhand bekamen, da vermochten sie ihren vorhandenen Reichtum nicht mehr zu ertragen und degenerierten."

 

Dies beschreibt Platon als den moralischen Verfall, der den Menschen vom Herrn zum Sklaven seiner Reichtümer macht.

 

Betrachten wir die Menschheit des 20. Jahrhunderts, so entdecken wir ähnliche egoistische Tendenzen. Nach wie vor bestimmen nicht Ethik und Moral das Leben der Menschen, sondern der Egoismus in seinen vielfältigen Ausdrucksformen beherrscht ihr Denken und Handeln.

 

Weiter schreibt Platon: „Zeus aber, der Gott der Götter, der nach Gesetzen regiert und solches durchschauen kann, sah ein, daß ein tüchtiges Geschlecht in üble Verfassung geraten war. Er beschloß, sie zu bestrafen, damit sie zur Besinnung kämen und sich besserten. Deshalb rief er alle Götter zu ihrem Wohnsitz  zusammen, der sich in der Mitte der ganzen Welt erhebt und alles überschaut, was je am Werden teilhatte. Und als sie versammelt waren, sprach er..." Hier bricht Platon seine Erzählung ab, und diese Stelle bleibt Fragment. Wohl nicht zufällig; vielleicht hatte Platon nicht das Recht, die okkulten Gründe für den Untergang eines ganzen Kontinents mitzuteilen.

 

Nachdem das tragische Ende in den letzten zwei Jahrtausenden immer mehr in die Ferne rückte, schien Atlantis letztendlich zur bloßen Legende zuwerden.

Bereits Aristoteles (384 - 322 v. Chr.), ein Schüler Platons, war nachweislich einer der ersten, der nicht an die Atlantis-Theorie glaubte, obwohl er selbst über eine große, den Karthagern bekannte Insel namens Antilia im Atlantik schrieb. Krantor (330 - 275 v. Chr.), ein Nachfolger Platons, berichtet, er habe ebenfalls Papyrusrollen gesehen, auf denen die Geschichte von Atlantis aufgezeichnet worden sei. Plutarch (45 - 120 n. Chr.) erzählt von einem Kontinent im Ozean namens Saturnia, welcher fünf Tagesfahrten weit von Britannien weg sei. Marcelinus (330 - 395 n. Chr.), ein römischer Historiker, berichtet davon, daß die Gelehrten und Gebildeten von Alexandrien die Vernichtung von Atlantis für eine historische Tatsache hielten. Er beschreibt eine Art von Erdbeben, „die plötzlich mit einem einzigen Ruck riesige Schlünde aufrissen und ganze Teile der Erde verschluckten, wie im atlantischen Meer vor der Küste Europas eine große Insel..."

 

Im Mittelalter spielten die Atlantis-Berichte keine Rolle. Mit der Entdeckung Amerikas flammte das Interesse an Atlantis jedoch wieder auf. Ein Jesuit namens Athanasius Kircher (1601 - 1680) verfaßte ein sehr interessantes Buch mit dem Titel „Mundus Subterranus". Unter anderem entwarf er eine Karte von der Insel Atlantis, die sich mit der Beschreibung Platons deckt.

 

Seit der Zeit Platons ist dieser wichtige Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit immer mehr in Vergessenheit geraten und wurde schließlich als Aberglauben und Einbildung abgetan. Doch nun im 20. Jahrhundert beginnt eine Rehabilitierung jener bedeutenden Zeit-epoche der Menschheitsentwicklung.

 

In der neueren Atlantis-Forschung existieren mehrere vorherrschende Meinungen über die geographische Lage des legendären Atlantis. Laut Berlitz ist die am meisten vertretene Vorstellung, daß Atlantis eine versunkene Insel oder mehrere Landrücken im Atlantik sei, an zweiter Stelle stehe jedoch die Vorstellung, daß Atlantis nie existiert habe und nur eine Legende sei. Danach folgen verschiedenste Angaben über die vermutete Existenz von Atlantis in verschiedenen  Ländern und Orten der Welt: Nord- und Südamerika, Israel, Kreta, Gibraltar, versunkener Kontinent im Pazifik, Mexiko, Grönland, Westindien und viele andere.

 

Mittels Radaruntersuchungen wurde festgestellt, daß am atlantischen Meeresboden ein Gebirgskamm existiert, der sich ungefähr in der Mitte des Meeres von Norden nach Süden zieht. Wissenschaftler mutmaßen, daß die Azoren die Gipfel jener versunkenen Berge seien, von denen Solon berichtet; sie hätten die atlantische Tiefebene vor den kalten Nordwinden geschützt. Auch findet sich das im Bericht beschriebene Baumaterial der atlantischen Häuser: weißer, roter und schwarzer Stein, wie er erst kürzlich in einem bestimmten Gebiet der Azoren (weiße Kalkschichten neben roten und schwarzen Vulkanfelsen) entdeckt wurde.

 

Russische Wissenschaftler, darunter Vladimir A. Obruchtev vermuten aufgrund ihrer Tiefseeuntersuchungen, daß sich unter dem Schlamm durchaus Bauruinen und andere Reste dieser antiken Kultur befinden könnten.

 

Die geologische Geschichte der Erde ist voller Überraschungen: Städte, die nach und nach ins Meer gespült werden - man denke nur an das etruskische Spina und seine in den Fluten der Adria versunkene Kultur -, oder Inseln, die bei Erdbeben und Vulkanausbrüchen plötzlich auftauchen bzw. untergehen. Es wäre also nicht auszuschließen, daß früher oder später ein Teil von Atlantis aus dem Meer wieder auftaucht. Würde dies eines Tages geschehen, so könnten archäologische Beweise jenen Recht geben, die seit Jahrtausenden an dem verschwundenen Kontinent festgehalten haben.

 

Um auf Platon zurückzukommen: Ihm zufolge bemühten sich die Menschen des damaligen Atlantis, eine hohe Ethik und Moral zu entwickeln, ohne von Wohlstand und Reichtum abhängig zu sein. Es war ihnen bewußt, daß die Menschheit „eine Einheit" ist, daß jeder Mensch, ja jedes Lebewesen mit dem anderen verbunden war. Wir sprechen heute von einem kollektiven Unbewußten, das alle Menschen und Wesen miteinander verbindet. Daraus leiteten sie eine Verantwortung füreinander und für die sie umgebende Natur ab, die ihr Leben und ihre Entscheidungen bestimmte. Die Kraft des Mitgefühls, die Achtung vor allem Lebendigen und das Wissen um die geistige Natur des Menschen als Ursache seiner Existenz bestimmten ihr Denken und Handeln.

 

Doch die Zyklen der Geschichte nahmen auch in der atlantischen Kultur ihren Lauf. Die Atlanter begannen geldgierig zu werden, nur mehr auf ihr eigenes Wohl zu schauen, das „Wir" durch das „Ich" zu ersetzen. Damit fing jene dekadente Phase an, die wir in so vielen anderen Kulturen im Laufe der Entwicklung der Menschheit immer wieder entdecken. Eine Phase, die der heutigen sehr ähnlich ist. Solon erzählt von einem Krieg gegen Athen, der mit der Niederlage der atlantischen Invasoren endete. Der Kriegsschauplatz weitete sich aus und das atlantische Volk machte jene Erfahrungen, die beinahe jedes Volk im Laufe der Geschichte schon einmal gemacht hat. Wenn eine Zivilisation lebensvernichtende Waffen besitzt , deren Einsatz nur vom Gewissen der Regierenden abhängt, ist die Gefahr sehr groß, daß eine globale Katastrophe ausgelöst werden könnte. Diese ist umso größer, je mehr sich die Verantwortlichen von Ethik und Moral entfernt haben. So könnte es vor ungefähr 12 000 Jahren geschehen sein, und so könnte es sich früher oder später auch in unserer post-atlantischen Kultur ereignen, sollte eine verantwortungslose Hand auf jenen Knopf drücken, der eine Atomkatastrophe auslösen würde.

 

Es blieben damals nur wenige Überlebende übrig, die ganz von vorne beginnen mußten. Utnapischtim, einer der Überlebenden der Sintflut im mesopotamischen Epos Gilgamesch",, soll noch von der göttlichen Natur durchdrungen gewesen sein. Noah, der sich mit seinen Tieren in die Arche retten  konnte, war ein „gerechter Mann", dem ein ethisch-moralisches Leben das Wichtigste war. Deukalion, Sohn des Titanen Prometheus, landete auf dem Parnass und gilt als Begründer des jetzigen Menschengeschlechts. Viele andere Menschen, die guten Willens waren, sich ihrer ursprünglichen geistigen, göttlichen Natur noch bewußt waren und danach lebten, konnten sich in verschiedene Länder retten. Jeder von ihnen zog seine persönliche Lehre aus diesem tragischen Ereignis und gab dies an seine Nachfahren weiter.

 

Auch im Mahabharata der Inder und im Popol Vu der Mayas wird von der Atlantis-Katastrophe und deren Auswirkungen erzählt. In ihrem Werk Die Geheimlehre, das zum Teil eine Abschrift eines noch viel älteren tibetischen Weisheitsbuches ist, nämlich der Stanzen des Dzyan, schreibt H. P. Blavatsky über Atlantis. Hier wird jedoch eine Evolutionstheorie vertreten, die von der heutigen Wissenschaft (noch) nicht anerkannt wird. Danach gab es sieben Entwicklungsstufen der Menschheit, wovon eine jene der Atlanter war. Ebenfalls wird darin erwähnt, daß Atlantis einst ein viel größerer Kontinent war, und es mehrere Phasen des Untergangs gegeben habe. Dasselbe wird übrigens auch in der Bhagavad Gita, einer heiligen Schrift der Inder, erwähnt, wo davon gesprochen wird, daß es schon mehrere Weltenzeitalter gab. Darin wird erzählt, daß die Menschheit immer wieder ermahnt wurde, ein moralisches Leben zu führen, dies jedoch immer wieder vergessen wurde. Dies wiederum habe zur Zerstörung und dem Untergang der jeweiligen Kulturen geführt. Die Sintflutberichte der verschiedenen Völker erzählen ebenfalls von jenen Untergängen und deren katastrophalen Auswirkungen auf die Menschheit.

 

Während sich die Menschheit durch ihre Legenden und Überlieferungen an Atlantis erinnert, scheinen manche Tiere eine instinktive Erinnerung daran bewahrt zu haben. Jedesmal wenn die enorme Vermehrung der Lemminge ihren Bestand gefährdet, strömen sie in großen Scharen zusammen und wandern durch das Land, überqueren die Flüsse auf ihrem Weg bis zum Meer. Dort stürzen sie sich ins Wasser und schwimmen westwärts, bis sie schließlich ertrinken. So als wären sie auf der Reise zu einer Insel irgendwo im Atlantik. Verschiedene Zugvögel, die von Europa nach Südamerika fliegen, beginnen, sobald sie sich den Azoren im Atlantik nähern, in weiten konzentrischen Kreisen zu fliegen, bevor sie weiterfliegen; dasselbe geschieht auf ihrem Rückflug. Ein ähnliches Verhalten finden wir bei den Aalen. Die europäischen Aale verlassen alle zwei Jahre ihre Gewässer und ziehen die Flüsse hinunter, die in das Meer münden. Sie laichen in der Sargasso-See, einem Algenmeer im nordatlantischen Becken rings um die Bermuda-Inseln, etwa halb so groß wie die Fläche der Vereinigten Staaten. Warum die Aale diese komplizierte und gefährliche Wanderung auf sich nehmen, bleibt nach wie vor ein Rätsel. Die Annahme einer dort einstmals gelegenen Insel ließe eine logische Schlußfolgerung zu. Die damalige Richtung des Golfstromes führte die Aale jedoch um den schützenden Tangwald herum, heute dagegen verschleppt er sie quer über den Atlantik nach dem fernen Europa und setzt sie damit zahllosen Gefahren aus. Für die Aale existiert vielleicht die Insel Atlantis noch immer; sie scheinen in diesem Fall ein besseres und längeres Gedächtnis zu haben als der Mensch.

 

Aber auch Namen von Ländern, Bergen, Inseln, die an das geheimnisumwobene Atlantis erinnern sollen, existieren noch heute. Auf den karibischen Inseln gibt es eine Reihe von uralten Höhlen, welche man als die Höhlen von Atalaya bezeichnet. Man glaubt, daß das Volk Ad vor der großen Flut dort lebte und als Bestrafung für seine Sünden vernichtet wurde. Die Azteken bewahrten sogar den Namen ihrer Urheimat Aztlan. Die Wikinger sprachen von einem Land namens Atil. In den Puranas und im Mahabharata gibt es einen Hinweis auf Attalan, die weiße Insel, diese soll eine „halbe Welt" von Indien entfernt gewesen sein. In den Überlieferungen der alten Volksstämme Nordafrikas wird von einem westlichen Kontinent gesprochen und von Stämmen, die sich Atarantes und Atlantioi nannten. Oder denken wir an das Atlas-Gebirge.

 

So mächtig und wissend die Atlanter auch einstmals waren, so wenig ist davon übriggeblieben. Die Zerstörung dieses reichen und faszinierenden Kontinents hatte eine ungeheure Auswirkung auf die Menschheit und birgt gleichzeitig sehr wertvolle Lehren für uns.

Schon einmal erfuhr die Menschheit  auf sehr schmerzliche Weise, daß ihr Wollen und ihre Macht nicht unbegrenzt ist; daß es Naturgesetze gibt, welche die Entwicklung in bestimmte Bahnen lenkt; daß es einen höheren Willen gibt, der mit gerechter Hand das Schicksal aller Wesen lenkt und leitet. Die Menschen mußten scheinbar von vorne beginnen, weil der Weg, den sie beschritten hatten, nicht mehr im Einklang mit ihrem Schicksal war.

 

Und heute - haben wir wirklich nichts daraus gelernt? Beschreiten wir ein weiteres Mal diesen gefährlichen und zerstörerischen Weg des Egoismus? Es scheint, als ob sich die Geschichte wiederholen könnte.

 

Doch die Vielzahl der Bücher über Atlantis und die große Faszination, die dieses Thema auf die Menschheit ausübt,  läßt  uns hoffen. Noch ist es Zeit, um aus der Geschichte zu lernen. Die Vergangenheit belehrt uns über unsere Fehler, aber unsere Erfahrungen liefern uns die Grundlagen für die Zukunft. Wie Jorge Angel Livraga sagt, muß sich „der Mensch seines historischen Schicksals, seiner göttlichen Vorfahren, seiner Gegenwart und seiner Zukunft bewußt werden."

 

Die Zeit ist reif für die Suche nach einer neuen Beziehung zu Gott, zu einer ganzheitlichen Ethik und einer lebbaren Spiritualität. Der göttliche Kern in der menschlichen Seele wartet auf seine Befreiung. Das ist unsere jetzige Aufgabe - und vielleicht auch die Botschaft von Atlantis.

 

 

Literatur:

  • Platon: Kritias, Sämtliche Werke, Band 5, Rowohlt Verlag, 1959

  • H. P. Blavatsky: Die Geheimlehre, Verlag J.J. Couvreur, o.J.

  • Mircea Eliade: Geschichte der religösen Ideen, Verlag Herder, 1981

  • Jorge A. Livraga: Ankor, der Jünger, Eigenverlag Neue Akropolis, 1987

  • Otto Muck: Alles über Atlantis, Knaur, 1976

  • Charles Berlitz: Das Atlantis Rätsel, Knaur, 1974

  • Charles Berlitz: Der 8. Kontinent, Knaur, 1984

  • Zecharia Sitchin: Versunkene Reiche, Knaur, 1992

Autorin: Gisela Kneußel

 

(aus: Abenteuer Philosophie Heft Nr. 70)

 
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