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Die Symbolik – eine universelle Sprache


Die gemeinsame Sprache der Symbole in Mythen, Märchen und Träumen


Die Symbole bilden die älteste und weltumspannendste gemeinsame Sprache, die die Menschheit je entwickelt hat. Ihre archetypischen Bilder finden wir in den Mythen, Märchen und Träumen zu allen Zeiten und in allen Kulturen wieder. Sie besitzen ihre eigene Logik und Wirkung. Schaffen wir es, in unserer von Materialismus und Atheismus geprägten Welt einen praktischen Zugang zu den Symbolen zu entwickeln?

 

Einleitung

Es gibt bestimmte Themen, bei denen viele Menschen sich besonders angesprochen fühlen. Eines dieser Themen ist der Komplex der Märchen und Mythen.Wenn ein Thema besonders diskutiert wird, ist dies meist ein Zeichen für die innere Anteilnahme der Menschen. Etwas in ihnen arbeitet die ganze Zeit daran, und ein sich darüber ergebendes Gespräch wirkt wie ein Ventil, welches sich plötzlich öffnet und eine Flut an Emotionen, lebendigen inneren Auseinandersetzungen und interessanten weltanschaulichen Gesichtspunkten offenbart.

 

Die Mythen

Sie stehen heute im Kreuzfeuer der Diskussionen. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fand in Salzburg ein großer Humanistenkongress statt, auf dem führende Gelehrte (Theologen, Wissenschaftler, Philosophen) auch ausführlich über die Bedeutung der Mythen referierten und diskutierten – zum Teil recht heftig. Sind die Mythen Produkte des primitiven menschlichen Verstandes am Vorabend des Erwachens der Kulturen? Oder sind sie heilige Überlieferungen, welche die überzeitlichen Gesetze des Mikro- und Makrokosmos aufzeigen und deren Aussagen daher nicht an eine Epoche oder Entwicklungsstufe der Menschheit gebunden sind?

Im Lexikon steht: „Mythos (griech. ,Wort, Rede, Erzählung, Fabel’), ,Wort’ im Sinne einer letztgültigen und daher nicht mehr zu begründenden Aussage, die Existenz und Geschichte der Welt und des Menschen auf das Handeln von göttlichen Wesen (Numen), deren Wirken im Himmel, auf der Erde, bei ihrer Begegnung mit Menschen und in der Unterwelt zurückführt. (...) Der Mythos kann sowohl seitens der Religion (v. a. vom Monotheismus) als auch des rationalen Denkens (z.B. der griechischen Sophisten und der Aufklärung) einer Kritik unterzogen werden: Im Gegensatz zur logischen Erkenntnis bildet nämlich der Mythos keine Urteile, sondern will Realitäten darstellen, für die er keine rationalen Beweise zu erbringen braucht.“

Hier stehen sich intellektuelle Vernunft und religiöser Glaube gegenüber, eine der problematischsten Klüfte unserer Zeit – kein Wunder, dass sich an diesem Thema die Gemüter erhitzen; eine Tatsache, die wir in Neue Akropolis immer wieder feststellen, da in unsere Kurse die verschiedensten Menschen kommen – und wir gerade in unseren Kursen auch verschiedene mythologische Überlieferungen studieren.

 

Die Märchen

Vor allem die Pädagogen und Eltern diskutieren hier unermüdlich, ob die Märchen zu grausam, zu realitätsfremd, zu schwarzweiß malend, zu kindisch sind oder nicht. Auch hier finden wir die diametralsten Vorstellungen, die wir uns nur denken können. Sind die Märchen eine „heile Welt“, an die wir als Kinder noch selig geglaubt haben und die wir dann in unserer beginnenden Reife abschätzig als Lügengeschichten und Unsinn abtaten? Doch wie ist dann der Märchen-Boom zu erklären, der heute die Buchhandlungen, die Kindersendungen in Radio und Fernsehen und dergleichen mehr überschwemmt? Vielleicht sehnen wir Erwachsenen uns mehr oder weniger bewusst in eine Welt zurück, in der das Wunderbare noch Teil der Welt war, in der alles mit allem in einer geheimnisvollen Beziehung zu stehen schien, in der alles noch beseelt war und nicht die Zwecke entscheidend waren, sondern die Mittel ...

So wird die Sehnsucht, die mit dem Begriff „Märchen“ in Verbindung steht, im Grunde auf die Ahnung zurückgehen, dass wir gegenüber der reichen Welt unseres Kinderlandes unbewusst oder bewusst eine Verarmung spüren, eine Sehnsucht nach größerer Erfüllung, nach Erweiterung unserer Empfindungs- und Handlungsmöglichkeiten, nach Aufhebung eines Gefühls von Unbehaust-

heit und Fremde in der kalten psychischen Umwelt, die uns heute umgibt. Auch hier ist es also verständlich, dass die Märchen ein „heißes Eisen“ sind – sie rühren direkt an eine elementare Lebenswurzel unseres Selbst.

 

Die Träume

Träume sind zwar heute längst keine Schäume mehr, wie das überkommene Sprichwort aus den letzten Jahrhunderten lautet. Aber trotz unserer so fortgeschrittenen Zivilisierung und Technisierung, trotz der Tatsache, dass wir die Welt, die Natur „zähmen“ und „uns dienstbar machen“, trotz der Tatsache, dass wir die äußere Welt „in den Griff bekommen“ und „beherrschen“ lernen: unsere eigene Psyche, unsere eigenen Ängste, unsere Hoffnungen und unsere Träume beherrschen wir noch lange nicht.

Viele Menschen haben des Nachts unangenehme Träume, sogar Alpträume. Beim Aufwachen erinnern sie sich erschrocken daran, stellen vielleicht fest, dass sie während des Traumes geweint hatten, ohne es zu bemerken. Viele dieser Menschen ahnen vielleicht, dass diese Träume etwas bedeuten, dass sie auf irgendeinen Missstand ihrer Seele deuten. Doch die Konfrontation, die konsequente Auseinandersetzung mit dieser anderen Realität macht den meisten Menschen oft Angst, und sie flüchten quasi in ihr Tagesbewusstsein hinein, in dem sie sich „im Griff haben“.

Doch es gibt viele Menschen, deren Traumbilder ihnen helfen, ihr Leben innerhalb des Tagesbewusstseins besser zu gestalten, ihren Platz und ihre wahre Aufgabe besser zu erkennen – Menschen, die sagen, dass ihre Träume ihre besten Lehrmeister sind, auch wenn der Lehrmeister manchmal züchtigen muss.

In den Schulen, in der allgemeinen Erziehung heute wird dem Traumleben praktisch keine Bedeutung beigemessen, da dieses Traumleben so wenig greifbar ist. Außerdem kann man damit weniger Geld machen, und daher ist das Studium über diese Art der Selbsterkenntnis für die heutige Auffassung von Allgemeinbildung praktisch wertlos. Daher kommen die wenigsten auf die Idee, einmal in unsere geschichtliche Vergangenheit zu schauen, was unsere Vorfahren, in welchen Kulturen sie auch gelebt haben mögen, über Träume und ihre Bedeutung zu sagen hatten; denn die alten Weisen aller Kulturen hatten hohe Kenntnisse des Unbewussten, die durch die heutige Tiefenpsychologie eigentlich nur wieder entdeckt werden. Abgesehen davon ist das vergleichende Studium bei uns leider in Vergessenheit geraten, denn viel wichtiger ist heute das Studium innerhalb speziellster Spezialwissenschaften, deren Betriebsblindheit sich heute immer mehr Menschen bewusst sind.

 

Was ist ein Symbol?

Große Gelehrte des 20. Jahrhunderts, Psychologen, Ethnologen, Symbolforscher und Religionsgeschichtler zeigen uns nun auf, dass es einen Zusammenhang zwischen Märchen, Mythen und Träumen gibt. Diese drei Gebiete arbeiten mit der gleichen Sprache – einer Sprache, die unabhängig von Geographie und Alter auf der Erde gleichermaßen gesprochen wird, auch wenn die meisten Menschen sich dessen gar nicht bewusst sind.

Diese Ur-Sprache besteht nun nicht aus Worten, sondern aus Bildern. Der Traum, die Gleichnisse der Mythologien und heiligen Texte, die Märchen – sie alle verbindet eine archetypische Bilderwelt, deren Ursprung und deren Finalität über die Bedeutung einer einzelnen Kultur weit hinausgeht. Denn diese Bilderwelt hat eine innere und eine äußere Seite. Das Innere sieht man oft erst auf den „zweiten Blick“, wie ein geflügeltes Wort es ausdrückt. Wir wissen ja, dass sich das Wesentliche oft erst auf den zweiten Blick offenbart, nämlich dann, wenn wir mehr „sehen“ als es die äußeren Augen tun, dann, wenn wir „ein-sehen“, eine „Ein-Sicht“ bekommen in innere, wesentliche Zusammenhänge. Dies ist jedoch ein geistiger Prozess und nicht mehr von den physischen Augen abhängig.

Wir merken also, dass die Bilder mehr beinhalten, als es auf den ersten Blick scheint. „Etwas beinhalten“ heißt auf griechisch „symballein“. Ein „symbolon“ ist eine Form, die etwas in sich trägt, einen Inhalt umschließt („symballein“ heißt wörtlich eigentlich: zusammentreffen, sich begegnen; übertragen).

„Im alten Ägypten wurde ein Symbol mit zwei vereinten Händen dargestellt, die einen Hohlraum bilden, so, als ob sie etwas anbieten wollten. Das vermittelt uns die Idee der Übertragung, des Opfers an die Götter, eines Gebens ohne Entschädigung.“ (Zitat aus: „Theologische Symbologie“ von Jorge Angel Livraga Rizzi)

Das Symbol ist einer der schillerndsten und vielfältigsten Begriffe, den unsere Wörtersprachen kennen.

 

Wie gehen wir mit Symbolik um?

Wir in Neue Akropolis beschäftigen uns mit dem uns überlieferten Kulturgut und dem Wissen alter Völker. In den Weisheitsschulen der alten Mystiker wurde oft der Kosmos, das Universum mit einem immensen Buch verglichen – ein Buch, welches von einem höheren Willen als dem unseren geschrieben wurde, und mit einer höheren Zielgerichtetheit oder Finalität. Ein zeitgenössischer Symbolforscher sagte einmal dazu, dass das Interesse der gegenwärtigen Menschheit vorwiegend dem Einband und der äußeren Präsentation gilt, dass sie wie ein Kind diesen wunderschönen Einband, vielleicht aus Leder mit Goldprägung, aus reiner Neugier zerlegen will – um dann erstaunt die einzelnen Teile zu betrachten, ohne einen tieferen Sinn dahinter zu sehen oder wenigstens zu vermuten. Die Erwachsenen im Geiste hingegen bevorzugen die Lektüre und das Studium, das Verständnis des Buches. Wir sind wie Kinder, die noch nicht lesen gelernt haben. Wir sehen die Buchstaben zwar, verstehen es aber nicht, sie zu Worten, geschweige zu Sätzen, Absätzen oder gar Kapiteln sinngemäß zu verbinden. Wir können aus der Beobachtung der Natur und des Kosmos nicht mehr, so wie unsere Ahnen, geistige Zusammenhänge herstellen.

Dieser Prozess des „Lesen-Lernens“ an einem Beispiel:

Stellen Sie sich einen Musiker vor, der einem eingeborenen Buschmann ein Blatt Papier in die Hand drückt mit einem Orgelpräludium von Johann Sebastian Bach. Der Buschmann wird nur unzusammenhängende Punkte, Striche, Kurven und Haken sehen, aber die Musik wird er nicht hören können. Ein ausgebildeter Musiker jedoch kann sehr wohl die Musik innerlich hören, auch ohne sie zu spielen – er hat dies schließlich durch viele Jahre seines Studiums und seiner Praxis gelernt. Die Noten selbst sind nur Symbole für die Musik, man muss dahinter schauen, „ein-sehen“ können.

Die alten Weisen und ihre Überlieferungen sagen uns, dass jede heilige Schrift, jede so genannte Mythologie, jedes Märchen und jeder Traum auch aus Symbolen besteht, die studiert werden wollen. Doch diese Symbole entstammen, wie wir mit Erich Fromm oben feststellten, Bildern.

Wir dürfen daher nicht in den dummen Fehler verfallen und über die „naiven Griechen“ der Antike lächeln, die laut Platon (in seinem Dialog „Symposion“ oder „Das Gastmahl“) die Geschichte vom Kugelmenschen erzählten, die sich in ihrem Wahn übereinander türmten und dem Gottvater Zeus seine Herrschaft streitig machen wollten und von Zeus bestraft wurden, indem er sie mit seinem Blitz in zwei Hälften teilte, wodurch die Menschen seitdem ihre „bessere Hälfte“ suchen; denn diese tief gehende und sehr nachdenklich stimmende Geschichte spiegelt in ihrem Symbolgehalt zeitlose Grundzüge der Psyche des Menschen wider.

Wir dürfen ebenso nicht über die „naiven Juden“ lächeln, die „noch“ glaubten, der liebe Gott hätte es wirklich in sieben Tagen fertig gebracht, die Welt zu erschaffen – klar, an einen solchen Gott fällt der Glaube schwer, zumal die Welt nach so vielen Milliarden Jahren immer noch nicht fertig ist, wie uns alle Wissenschaftler einhellig bestätigen. Doch die Sieben ist eben ein Symbol für das „alles, was hier zu erreichen ist“, für die „unendlichen Entfaltungsmöglichkeiten in diesem Universum“ und vieles mehr; wir kennen die sieben Tage der Woche (glauben Sie, dies sei ein Zufall?), die sieben Töne der Tonleiter (dies ist kein Zufall, sondern ergibt sich aus einem universalen Naturgesetz; daher haben auch viele Haupttonleitern anderer, nichteuropäischer Kulturen sieben Töne), die sieben Spektralfarben im Regenbogen, den siebenarmigen Leuchter, das Buch der sieben Siegel, die Siebenmeilenstiefel, die sieben Geißlein oder Raben oder Brüder, die Siebenteiligkeit des Menschen nach den ägyptischen und indischen Lehren, usw.

Sie werden nun sagen, dass Sie ohnehin wussten, dass die Erschaffung der Welt in sieben Tagen symbolisch zu verstehen sei. Doch ich frage Sie:

Wenden Sie diese symbolische Denkweise auch auf die Bilder an? Die Geschichte der Arche des Noah oder des Jona und des Fisches, der ihn verschluckt, oder die Geschichten über David und Jesus? Unsere gelehrten Akademiker haben die Tendenz, viel zu geschichtlich, d.h. historisch-chronologisch deuten zu wollen. Denn die Geschichten von der Arche des Noah oder von der Gefangenschaft in Ägypten sind zutiefst symbolisch, und zwar zusätzlich zu ihrer durchaus auch vorhandenen historischen Realitätsebene, und ihre Sprache finden wir in vielen Träumen von heutigen Menschen wieder, die nicht einmal diese biblischen Geschichten kennen. Und das Gleiche passiert mit allen anderen heiligen Schriften, die wir „Mythologien“ nennen.

 

Ausklang

Die moderne Symbolforschung hat nachgewiesen, dass auch in unserer so materialistischen und atheistischen Gesellschaft weiterhin viele archetypische Symbole wirken, auch wenn dies den meisten Menschen nicht bewusst ist. Die Sprache der Symbole ist dem Menschen angeboren. Wir gewinnen viel, wenn wir die Symbole bewusster benutzen und mehr in unseren Alltag einbringen. Vor allem die Symbole der Mythen und Märchen der Welt wirken direkt durch ihren Bilderreichtum auf unsere Seele und befruchten unser Denken, Fühlen und Handeln.

Das Studium der Mythen und Märchen der Welt kann uns unser gesamtes Leben begleiten. In jeder Lebensphase helfen sie uns, Abstand zu gewinnen von uns selbst. Sie ermöglichen uns neue Blickwinkel auf problematische eigene Lebenssituationen. Sie lassen uns erkennen, dass unsere persönlichen Krisen, die in jeder Lebensphase auftauchen und zu unserem Leben dazugehören, einen allgemein gültigen Schlüssel besitzen. Dadurch bringen sie eine transzendente Seite in unser Dasein hinein, wodurch wir unsere zeitlich begrenzten, einmaligen und unwiederholbaren Erlebnisse in einem größeren, überzeitlichen Zusammenhang wahrnehmen können.

Mythen und Märchen sind somit echte Seelennahrung für jeden Menschen auf der Suche nach sich selbst und auf der Suche nach seinem Lebenssinn, unabhängig von seiner Konfession oder Weltanschauung. Würde unsere Gesellschaft die tiefgründigen Lebensweisheiten der Mythen und Märchen mit ihrer Symbolik mehr integrieren, bräuchten wir weniger Gefängnisse, weniger Psychotherapeuten und weniger Ärzte, und wir hätten sicher glücklichere Zeitgenossen, die sowohl besser mit sich selbst als auch mit ihren Mitmenschen zurechtkommen könnten.


Autor: Walter Gutdeutsch

Anhang:

Eine kleine Auswahl von Definitionen und Ansichten rund um den Begriff „Symbol“, ohne Anspruch auf Vollständigkeit


Meyers Großes Taschenlexikon in 24 Bänden:
Symbol: zu griech.: symbolon „Kennzeichen, Zeichen“; allg. ein wahrnehmbares Zeichen bzw. Sinnbild (Gegenstand, Handlung, Vorgang), das stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares (auch Gedachtes bzw. Geglaubtes) steht. So wird z.B. in der Religionsgeschichte eine profane Erscheinung durch das Zusammentreffen mit der Sphäre des Göttlichen zu einem Symbol und erhält dadurch selbst einen religiösen Sinn und vermittelt die Gegenwart des Heiligen. In engerem Sinn ist Symbol jedes Schrift- oder Bildzeichen mit verabredeter oder unmittelbar einsichtiger Bedeutung, das zur verkürzten oder bildhaften Kennzeichnung und Darstellung eines Begriffs, Objekts, Verfahrens, Sachverhaltes u.a. verwendet wird. In diesem Sinne spielen Symbole nicht nur in Religion, Kunst und Literatur eine wichtige Rolle, sondern auch in den Naturwissenschaften (z. B.: chem. und mathemat. Symbole, Zeichen für physikalische Größen), in der neueren Logik und Sprachphilosophie, in der Technik (z. B. Schaltzeichen) sowie im täglichen Leben (z.B. Piktogramme, Verkehrszeichen u.a.).

Platon (428-348 v. Chr.):
Gott schuf alle Dinge in ihren ursprünglichen Erscheinungen nach geometrischen Symbolen und Zahlen.

Johann Wolfgang von Goethe (1798-1830):

Alles Leben ist ein Gleichnis.

Thomas Carlyle (schottischer Essayist und Geschichtsschreiber, 1795-1881):
Die göttliche Idee findet in den geschaffenen Dingen einen schwachen Widerschein: die menschliche Beobachtung dieses Widerscheines ist das Symbol.

Helena Petrovna Blavatsky (1831-1897):

Die erklärenden Erzählungen der Lehre sind nur deren äußeres Gewand. Der Unwissende sieht nur das Gewand und nichts dahinter, während der Weise auch das erblickt, was jenes Gewand umhüllt. Daher sind alle heiligen Schriften voll von Allegorien. Ein Symbol ist der bildliche Ausdruck
einer Idee oder eines Gedankens. Die ursprüngliche Schrift hatte keine
Zeichen, sondern ein Symbol stand für ein Wort oder einen Satz. So ist ein Symbol eine überlieferte Parabel, und eine Parabel ist ein gesprochenes Symbol.

Carl Gustav Jung (1875-1961):

Die gesamte Natur ist symbolhaft, jede Erkenntnis des Symbolischen beruht auf Erfahrung.

Erich Fromm (1900-1980):
Die Symbolsprache ist die älteste Sprache der Menschheit, daher müssen wir ihr Verständnis suchen, nicht ihre Deutung. Sie ist eine eigenständige Sprache; die einzige universelle Sprache, die die Menschheit jemals entwickelt hat. Daher geht es darum, sie zu verstehen, und nicht darum, sie zu deuten, so als ob man es mit einem künstlich hergestellten Geheimcode zu tun hätte. Nicht nur für den Psychotherapeuten, der seelische Störungen zu beheben versucht, sondern für jeden, der mit sich selbst in Berührung kommen möchte, ist es wichtig, diese Symbolsprache verstehen zu können. Deshalb sollte auf unseren höheren Schulen und auf den Universitäten, ebenso wie der Unterricht in anderen „Fremdsprachen“, so auch der Unterricht in der Symbolsprache in den Lehrplan aufgenommen werden. (…)
Die Mythen der Babylonier, Inder, Ägypter, Hebräer, Griechen sind in der gleichen Sprache geschrieben wie die der Aschantis und Irokesen. Die Träume eines heutigen Einwohners von New York oder Paris sind die gleichen wie die, welche von Menschen berichtet werden, die vor ein paar tausend Jahren in Athen oder Jerusalem lebten. Die Träume antiker und moderner Menschen sind in der gleichen Sprache geschrieben wie die Mythen. (…)
Die Symbolsprache ist eine Sprache, in der innere Erfahrungen, Gefühle und Gedanken so ausgedrückt werden, als ob es sich um sinnliche Wahrnehmungen, um Ereignisse in der Außenwelt handelt. Es ist eine Sprache, die eine andere Logik hat als unsere Alltagssprache, die wir tagsüber sprechen, eine Logik, in der nicht Zeit und Raum die dominierenden Kategorien sind, sondern Intensität und Assoziation. Es ist die einzige universelle Sprache, die die Menschheit je entwickelt hat und die für alle Kulturen im Verlauf der Geschichte die gleiche ist. Es ist eine Sprache sozusagen mit eigener Grammatik und Syntax, eine Sprache, die man verstehen muss, wenn man die Bedeutung von Mythen, Märchen und Träumen verstehen will.
Ich halte die Symbolsprache für die einzige Fremdsprache, die jeder von uns lernen sollte. Wenn wir sie verstehen, kommen wir mit dem Mythos in Berührung, der eine der bedeutendsten Quellen der Weisheit ist, wir lernen die tieferen Schichten unserer eigenen Persönlichkeit kennen. Tatsächlich verhilft sie uns zum Verständnis einer Erfahrungsebene, die deshalb spezifisch menschlich ist, weil sie nach Inhalt und Sinn der ganzen Menschheit gemeinsam ist. (…)

Jorge Angel Livraga Rizzi (1931-1991), Gründer von Neue Akropolis:

Symbole sind wie Fußspuren, die unsichtbare Füße in der Materie der Welt hinterlassen; ihre Merkmale helfen uns, die verborgenen Bedeutungen der Schöpfungsprozesse zu erkennen oder zu erahnen.


(aus: Abenteuer Philosophie Heft Nr. 90)

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 21. August 2008 )
 
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