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Lebensphilosophie

Im weiteren Sinne jede Philosophie, die das Leben und insbesondere den Menschen in den Mittelpunkt ihres Fragens stellt, wie z.B. die Stoa oder die Lehre von Sokrates.

Im engeren Sinne bezeichnet man als Lebensphilosophie den sich als Gegenbewegung zum Rationalismus im 19. Jahrhundert entwickelnden Versuch, philosophische Fragen aus der Alltagserfahrung heraus zu beantworten und Werte aus dem Leben selbst und nicht aus abstrakten, metaphysischen Vernunftssystemen zu entwickeln. Als Hauptvertreter der Lebensphilosophie gelten Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) und der Franzose Henri Bergson (1859 – 1941).

Die Lebensphilosophen sehen die Wirklichkeit als organischen werden., Bewegung und Entwicklung, nicht starres Sein, sind für sie die Grundtatsachen der Welt. Demgemäß waren die Lebensphilosophen bewusst anti systematisch und irrational. Begriffe und logische Gesetze sind für sie wenig hilfreiche Mittel zur philosophischen Erkenntnis. Sie bevorzugten die Intuition, die unmittelbare Anschauung das Erlebnis bzw. die Erfahrung.

Hier liegt auch der große Verdienst der Lebensphilosophie. Sie hat die Philosophie befreit aus den Studierstuben, Gelehrtenkreisen und blutleeren Denksystemen und, ähnlich wie Sokrates vor 2500 Jahren, den Menschen das Philosophieren als Grundfähigkeit und Grundbedürfnis, zurückgegeben.

Autor: Helmut Müller

 
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