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Stoa

Philosophische Strömung von der Zeit des Hellenismus bis zur Spätantike. Man unterscheidet die ältere Stoa mit dem Schulgründer Zenon v. Kition (ca. 336-264 v. Chr.) sowie Kleanthes (gest. ca. 232 v. Chr.) und Chrysipp (ca.281-208 v. Chr.), die mittlere Stoa mit Ponaitios (ca. 180-110 v. Chr.) und Poseidonios (ca. 135-51 v. Chr.), in der die Philosophie der Stoa  nach Rom kommt sowie die jüngere Stoa mit dem Politiker Seneca (4 v. Chr. - 65 n. Chr.), dem freigelassenen Sklaven Epiktet (50-138 n. Chr) und  dem Kaiser Marc Aurel (121 - 180 n. Chr.).

Den Namen hat die Stoa (wörtlich: Säulenhalle) von dem öffentlichen Gebäude in Athen, in dem Zenon seine Philosophie erstmals lehrte. Die Stoiker verglichen die Disziplinen der Philosophie mit einem Obstgarten, wobei die Logik (inkl. Erkenntnistheorie und Rhetorik) den schützenden Mauern entspricht, die Physik (bzw. alle Naturwissenschaften) dem Baum und die Ethik als Lehrer des richtigen Handelns den Früchten des Baumes. Die Stoiker legten deshalb großen Wert auf die Ethik als Handlungslehre. Die Schriften, die besonders aus der Zeit der jüngeren Stoa erhalten sind, sind überaus praktische Ratschläge für das Leben.

Kerngedanke der Ethik der Stoa ist der Mensch als Vernunftwesen. Kraft seiner Vernunft kann der Mensch die göttlichen Gesetzmäßigkeiten (bzw. "Naturgesetze") erkennen und danach handeln. In diesem naturgemäßen und damit tugendhaften Leben besteht sein Weg zur Glückseligkeit (griech.: eudämonia). Die Triebe und Leidenschaften behindern das Erkennen der eigenen Gesetzmäßigkeiten sowie das richtige Handeln danach. Der Mensch muss daher von den Affekten unabhängig werden bzw. lernen, sie zu beherrschen.  Die Leidenschaftslosigkeit (griech.: apatheia) ist damit ein wichtiges Ziel. Erst ein Mensch, der dies erreicht hat , ist wahrhaft frei, glücklich und weise. Er sieht die Notwendigkeiten des Schicksal mit klarem Blick und kann danach handeln. Er hat erkannt, dass die innere Haltung das einzige ist, was uneingeschränkt in der Macht des Menschen steht. Dieser Mensch hat die unerschütterliche Seelenruhe erreicht (griech.: ataraxia) und ist souveräner Herrscher seiner selbst.

Die philosophische Bedeutung der Stoa, die über fast ein Jahrhundert als philosophische Bewegung starken Einfluss auf die Geistesgeschichte des Abendlandes nahm, liegt vor allem darin, dass sie das Innenleben in das Zentrum des menschlichen Strebens stellt. Nur in sich selbst kann der Mensch Ruhe finden, in ihm selbst finden die Kämpfe statt, nur in sich selbst kann er Glückseligkeit finden. Ob Sklave wie Epiktet oder Kaiser wie Marc Aurel: Vor diesem philosophischen Gesetz sind alle Menschen gleich.
Autor: Helmut Müller
 
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