Bogenschießen in der Finsternis (Mullah Nasruddin) PDF Drucken E-Mail

Bogenschießen in der Finsternis

 

Die Frau des Mulla hatte wieder einmal seinen Kaftan gewaschen und ihn zum Trocknen in den Garten gehängt.

Als Mulla Nasruddin am Abend am Fenster saß, fiel sein Auge zufällig auf den Kaftan, der im Winde leicht hin und her flatterte.

Da sich im zunehmenden Dunkeln nichts genau unterscheiden ließ, glaubte er, dass ein Dieb sich bei ihm eingeschlichen habe, um Obst zu stehlen. Er holte daher seinen Bogen und schoss einen Pfeil auf den verdächtigen Gegenstand ab. Da er nichts mehr hörte und bei der Finsternis nichts sehen konnte, glaubte der Mulla, dass der Dieb fortgelaufen sei und begab sich deshalb zur Ruhe.

Am nächsten Morgen hörte er, wie seine Frau im Garten laut klagte. Er öffnete das Fenster, um zu sehen, was draußen los war, und musste sich von seiner Gattin bittere Vorwürfe machen lassen, weil er ein Loch in den Kaftan geschossen hatte.

„Frau, was schreist du denn so?“, rief er.

„Danke deinem Schöpfer, dass ich nicht selbst darin steckte!“

 

Aus: Mulla Nasruddin – Lebenphilosophie vom weisen Narren

 
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